Melodram voller Klischees und Ungereimtheiten

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peppermintpatty Avatar

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Die Idee dieses Buches ist wirklich hübsch und neu. Man stelle sich vor, es gäbe einen „Zeitraum“, einen Raum, der außerhalb der Zeit existiert und in dem in unendlich vielen Bücherregalen die Erinnerungen aller Menschen aufbewahrt werden.

Dort landet die kleine Lisavet. Ihr Vater wollte sie vor den Nazis in Sicherheit bringen, konnte sie aber nicht wieder abholen. Lisavet ist dort gefangen, wächst alleine auf, jenseits der Zeit und lernt, sich mit fremden Erinnerungen zu unterhalten. Als sie feststellen muss, dass immer wieder Männer in den Zeitraum vordringen und gezielt Erinnerungen vernichten, wird es ihre Mission, möglichst viele davon zu retten.

So weit fand ich das Buch ganz wundervoll, nur verlässt es diese zauberhafte Ebene dann doch und wandelt sich zu einer Art Spionagethriller, wo die CIA gegen russische Agenten kämpft und beide versuchen, den Wandel der Zeit zu ihren Gunsten zu verändern.

Daran hätte ich mich noch gewöhnen können, wenn auch der Logikfaden oft arg strapaziert wird. Gar nicht gefallen hat mir Lisavets Wandlung vom neugierigen Mädchen zum Vamp, der über Leichen geht. Es ist schön, dass sie eine wehrhafte Frau geworden ist, aber die Methode, zuzuschlagen statt zu reden finde ich fragwürdig. Auch dass immer wieder jemand lügt, betrügt oder sogar mordet, nur um andere zu schützen ist ein unschönes Motiv, das hier überstrapaziert wird und noch dazu wenig nachvollziehbar ist.

Der Erzählstil ist blumig bis pathetisch und spart nicht mit Floskeln. Ständig verkrampfen sich Mägen, werden Lippen gebissen, Stirnen gerunzelt, ein- oder ausgeatmet und Augen zusammengepresst.

Dieses Buch hat durchaus einigen Unterhaltungswert, aber die schöne Grundidee geht unter in einem Melodram voller Klischees und Ungereimtheiten. Sehr schade.