Der Tod als Patenonkel

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kobina Avatar

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„Das 13. Kind“ von Erin A. Craig ist ein atmosphärisches Standalone, das mich sowohl inhaltlich als auch im Hörbuchformat überzeugt hat. Gelesen von Rebecca Veil, die ich ohnehin sehr schätze, gewinnt die Geschichte zusätzlich an Tiefe: Jede Emotion sitzt, jede Nuance kommt an und die Sprecherin wird zur Protagonistin selbst.

Als Retelling vom grimmschen Märchen „Der Gevatter Tod“ bleibt der Roman seiner märchenhaften Vorlage überraschend treu, ohne abgeschrieben zu wirken. Besonders gelungen ist das schlichte, aber wirkungsvolle Drei-Götter-System. Wir haben den Anfang ("die Erste") und das Ende ("Der Endgültige"); die Zeit dazwischen wird in all seinen Facetten von unzähligen Göttern geprägt, die sich allerdings einen einzigen Körper teilen ("die Vielen"). Es ist klar strukturiert, einprägsam und genau richtig dimensioniert für einen Einzelband.

Erfreulich fand ich auch, wie medizinisch fundiert viele Aspekte umgesetzt sind. Abgesehen von der fantastischen Krankheit waren die Behandlungsmöglichkeiten überraschend realistisch, was der Geschichte zusätzliche Bodenhaftung verlieh. Zudem sind die verschiedenen Figuren – gemessen an der begrenzten Seitenzahl – erstaunlich differenziert und greifbar, ohne dabei überladen zu wirken.
Das Ende ist zwar glücklich, aber keineswegs kitschig. Stattdessen bleibt es emotional und nachhallend.

Ein schönes Detail: Der wahre Sinn des Covers erschließt sich erst mit der Zeit - außer natürlich, man kennt das Märchen bereits.

Insgesamt ein stimmiges, durchdachtes und emotionales Retelling, das zeigt, wie viel Tiefe ein gutes Standalone haben kann – besonders, wenn Text und Hörbuch so harmonisch zusammenspielen.