Wenn der Tod wartet und das Leben trotzdem weitergeht

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elenis.booknook Avatar

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Ich glaube, was mich an Das Dreizehnte Kind am meisten getroffen hat, war dieses Gefühl, Hazel ihr ganzes Leben lang zuzusehen, ohne sie jemals wirklich retten zu können. Man ist von Anfang an bei ihr. Bei ihrer Geburt. Und man weiß sofort: Das wird kein leichtes Leben. Und genau so kommt es auch.

Hazel wächst nicht behütet auf. Nicht geliebt. Nicht wirklich beachtet. Sie ist einfach da. Und dieses „einfach da sein“ tut weh, weil man merkt, wie sehr ihr genau das fehlt, was für andere selbstverständlich ist. Nähe. Sicherheit. Jemand, der bleibt. Selbst der Tod, der ihr eigentlich bestimmt ist, lässt sie lange allein zurück.

Als sie ihre Gabe bekommt, fühlt sich das nicht wie ein Geschenk an. Sie sieht Krankheiten, sie sieht Heilung aber sie sieht eben auch, wenn nichts mehr zu retten ist. Und das bleibt an ihr hängen. Die Menschen, die sie begleitet hat, lassen sie nicht los. Die Toten gehen nicht einfach. Hazel trägt sie mit sich, ob sie will oder nicht. Das Buch romantisiert das nicht. Es ist einfach schwer. Und manchmal still. Und manchmal richtig traurig.

Was mir sehr nah gegangen ist: Hazel will nichts Besonderes. Sie will kein Ansehen, keine Rolle, keine Bedeutung. Sie will frei sein. Sie will gut behandelt werden. Sie will lieben dürfen, ohne Angst. Und gerade weil dieser Wunsch so klein und so menschlich ist, fühlt sich ihr Leben oft unfair an. Alles an ihr ist vorherbestimmt von Göttern, von Regeln, von Erwartungen. Und sie selbst bleibt dabei immer ein Mensch, der eigentlich nur leben möchte.

Am Hof des Königs spitzt sich vieles zu. Hazel sieht Dinge, die sie nicht sehen sollte. Sie weiß Dinge, die gefährlich sind. Und man merkt, wie wenig Raum ihr bleibt, sich richtig zu entscheiden. Jede Option hat Konsequenzen. Für sie. Für andere. Für Menschen, die sie eigentlich schützen möchte.

Die Liebesgeschichte ist da, aber sie übernimmt nichts. Sie ist eher ein leiser Hoffnungsschimmer. Ein Gefühl von „So könnte es sein“. Nicht laut, nicht kitschig, einfach etwas, das Hazel kurz atmen lässt.

Nicht alles hat mich überrascht. Manche Entwicklungen habe ich früh kommen sehen. Das hat mir nichts kaputt gemacht, aber es hat mich auch nicht völlig umgehauen. Die Geschichte ist ruhig erzählt, manchmal langsam, mit vielen Gedanken und Erinnerungen. Ich habe das Hörbuch gehört und fand das sehr passend fast so, als würde mir jemand Hazels Leben erzählen.

Was bleibt, ist ein Gefühl von Schwere, aber auch von Wärme. Kein grausames Buch. Kein schockierendes. Eher eins, das einen still begleitet und manchmal einfach schluckt. Für jüngere Leser:innen könnte es zu düster sein, weil Tod hier kein Nebenthema ist, sondern immer da.

Ich mochte das Buch wirklich. Sehr sogar. Aber es hat mich nicht ganz losgelassen im Sinne von „Ich kann an nichts anderes denken“. Es fehlt dieses letzte kleine Stück, das mich komplett zerlegt hätte. Und genau deshalb fühlt es sich für mich nach 4 Sternen an.

Nicht perfekt. Aber ehrlich. Und auf eine ruhige Art sehr berührend.