Ein grandioses Gedankenspiel, das aber nicht an den Vorgänger herankommt

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annajo Avatar

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In ihrem neuen Buch widmet sich Gaea Schoeters wieder einem sehr interessanten Gedankenspiel. Im Regierungsviertel Berlins, und später in der ganzen Stadt, tauchen plötzlich Elefanten auf. Wie der überraschte Bundeskanzler Hans Christian Winkler feststellen muss, sind sie ein Geschenk des Präsidenten von Botswana, als Reaktion auf ein neues Gesetz, dass die Einfuhr von Jagdtrophäen einschränkt. Nun sollen die Europäer mal mit Megafauna leben, so wie sie es im Geiste des Artenschutzes von anderen Ländern verlangen.
In relativ knappem Umfang lässt die Autorin eine neue Realität entstehen. Deutschland ist bald auch von fremden Plfanzen überwuchert, die Natur passt sich an. Den Menschen fällt es eher schwerer, es kommt zu Konflikten mit den Tieren. In einer pollitischen Satire nimmt die Autorin die heutige Denk- und Handlungsweise der Politik aufs Korn, zeigt die politischen Spielchen auf, die zwischen verschiedenen Parteien und Ministerien stattfinden, mit teils abstrusen Ideen zum Umgang mit den Elefanten. Auch, wie die ganze Situation den Populisten in die Hände spielt, ist sehr treffend nachgezeichnet, die Parallelen zum Umgang mit Migration und Flucht sind kaum zu übersehen. Viele kluge Gedanken und Ideen werden absolut zielgenau platziert, die Figuren glaubhaft und realistisch ausgearbeitet. Man leidet förmlich mit dem fiktiven Bundeskanzler mit, wie er versucht, mit der Situation umzugehen und die Regierungskoalition zu retten.
Die Autorin schafft eine unterhaltsame Geschichte mit einer guten Prise Humor und Satire, legt aber gleichzeitig, wie schon bei ihrem vorherigen Buch, den Finger in die Wunde. Welche Mitschuld haben die europäischen Staaten an der Situation der afrikanischen Länder? Was verlangen sie von anderen Bevölkerungen für ihr eigenes Verständnis von Umwelt- und Artenschutz? Welche Lebensrealitäten der einheimischen Menschen ignorieren sie dabei? Neben jeder Menge interessanten Wissens über die Elefanten selbst, bietet die Autorin wieder viele kluge Denkanstöße, die einen noch länger beschäftigen. Für mich kommt dieses Buch dennoch nicht ganz an den Vorgänger "Trophäe" heran. Die Autorin zeigt eine beeindruckende Kenntnis der deutschen Politik, ich hätte mir jedoch einen etwas längeren Roman gewünscht und weniger große Zeitsprünge. Die Geschichte hätte noch etwas intensiver und noch stärker an den Tieren und der Bevölkerung sein können. Insgesamt schreibt die Autorin aber auf einem ganz eigenen Level wunderbar kluge Geschichten mit gesellschaftlicher Relevanz.