Weniger überzeugend als die Trilogie um Caselli und Torre

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carola1475 Avatar

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In einem abgeschirmten Mailänder Hochhaus mit modernsten Sicherheitsstandards kommt einer der superreichen Bewohner in seiner Kryosauna ums Leben. Um nicht langwierige offizielle Untersuchungen abwarten zu müssen, soll Colomba Caselli als Privatdetektivin ermitteln, ob es sich um Mord oder um einen Unfall handelt. Caselli, seit zwei Jahren keine Polizistin mehr, vermisst ihre Arbeit und nimmt den Auftrag an. Sie wird unterstützt vom befreundeten Dante Torre, mit dem sie schreckliche Ereignisse aus der Vergangenheit verbinden. Beide sind traumatisiert und besonders Torre leidet noch sehr unter dem damaligen Geschehen, er ist labil, sein Sozialverhalten kaum ausgebildet.
Bei den Ermittlungen ergänzen sie sich perfekt, es bleibt nicht bei dem einen Toten. Eingeschoben gibt es wiederholt Blogbeiträge, die die absolute Macht der Superreichen und die daraus resultierende Ungerechtigkeit unserer Welt beschreiben, auch hier zeigt sich die gesellschaftliche Aktualität der Handlung. Nach und nach ziehen Colomba und Dante Schlussfolgerungen, aber finden keine Beweise.

Dazieri schreibt im Präsens und wechselt zwischen auktorialer und personaler Erzählperspektive. Bis auf wenige Szenen waren die Charaktere für mich nicht so nahbar, wie ich mir gewünscht hätte. Ich empfinde es als Vorteil, dass ich Vorgängerbände um das ungewöhnliche Ermittlerpaar gelesen habe.

Das Tempo der Geschichte wird ausgebremst durch detaillierte Beschreibungen, vor allem der Welt der Reichen und ihren abgehobenen Plänen, die mit unserer Welt nichts mehr zu tun haben, und ich finde die Geschichte insgesamt wenig überzeugend, das Ende überraschend und unglaubwürdig. Dieser aktuelle Band um Colomba und Torre erreicht für mich leider nicht die Spannung und Intensität der bereits vorliegenden Trilogie. Trotzdem würde ich dem zweiten Band dieser neuen Reihe von Sandrone Dazieri eine Chance geben und ihn lesen.
Den deutschen Titel finde ich unpassend, denn es geht um die Machtelite der Welt und die beugt sich keinen Gesetzen oder Regeln.