Heimat, Hitze und unausgesprochene Lasten

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bua1705 Avatar

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Nadine Schneiders Das gute Leben eröffnet mit einer dichten, flirrenden Sommerhitze und einer Erzählerin, die von Anfang an spürbar zwischen zwei Welten hängt. Die Rückkehr nach Rumänien – ein Ort der Herkunft, aber nicht der Heimat – ist von Widerwillen, Erinnerungen und einer fast körperlichen Beklemmung geprägt. Besonders eindrücklich ist, wie Schneider Atmosphäre baut: Hitze, Staub, Schotter, der Geruch alter Häuser – all das trägt die innere Spannung der Figuren.

Der Roman wirkt zugleich intim und weit, weil er Familiengeschichte, Migration und die Last unausgesprochener Erwartungen miteinander verwebt. Anni, die Großmutter, ist eine Figur voller Härte und Verletzlichkeit, und die Erzählerin bewegt sich tastend durch ein Erbe, das emotional schwerer wiegt als das Haus, das sie übernimmt.

Der Text liest sich leise, aber eindringlich – ein Roman über Herkunft, Schuld, Zärtlichkeit und das, was zwischen Generationen verloren geht oder weitergetragen wird.