Tut gut Buch

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gänseblümle Avatar

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Schon nach dem ersten Kapitel von „Das gute Leben“ hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch mich nicht belehren will – sondern mir leise einen Spiegel hinhält. Ich habe nicht gelesen, um Antworten zu bekommen, sondern um mich selbst zu beobachten. Und genau das ist passiert. Nadine Schneider schreibt ruhig, klar und ohne Pathos. Keine großen Versprechen, kein „So musst du leben“. Stattdessen entsteht etwas viel Wertvolleres: Raum. Raum zum Nachdenken, zum Innehalten, zum ehrlichen Spüren. Während ich las, merkte ich, wie sich mein inneres Tempo verlangsamte. Ich habe Sätze zweimal gelesen – nicht, weil sie kompliziert waren, sondern weil sie nachwirkten. Das erste Kapitel hat mich an meinen eigenen Alltag erinnert: an das Funktionieren, an die vielen kleinen Entscheidungen, an das ständige Abwägen zwischen Pflicht und Sehnsucht. Besonders berührt hat mich, wie selbstverständlich hier die Frage gestellt wird, was ein gutes Leben eigentlich bedeutet – jenseits von Leistung, Optimierung und äußeren Erwartungen. Diese Frage wirkt simpel, ist aber erstaunlich unbequem. Ich habe gemerkt, wie selten ich sie mir wirklich ehrlich stelle. Was mir besonders gefallen hat: Der Ton ist warm, fast vertraulich. Ich hatte das Gefühl, jemand sitzt mir gegenüber und denkt laut – ohne Urteil, ohne Besserwisserei. Das macht das Lesen angenehm und zugleich herausfordernd. Denn gerade weil nichts aufgezwungen wird, beginne ich automatisch, mich selbst zu hinterfragen. Nach dem ersten Kapitel blieb kein Aha-Moment im klassischen Sinn zurück, sondern etwas Tieferes: ein leiser Nachhall. Ein Gefühl von „Da ist etwas, dem ich zuhören möchte“. Das Buch verspricht für mich kein schnelles Glück, sondern einen Prozess. Und genau das empfinde ich als ehrlich.
Wenn der Rest des Buches diese Haltung beibehält, dann wird „Das gute Leben“ kein Ratgeber sein, den man durcharbeitet – sondern ein Begleiter, den man zwischendurch zur Hand nimmt. Für mich hat es nach dem ersten Kapitel bereits eines geschafft: Es hat mich entschleunigt und mir Lust gemacht, mein eigenes Leben wieder bewusster zu betrachten