Was ist ein gutes Leben?

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eight_butterflies Avatar

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Die Leseprobe hat mich sofort abgeholt. Nicht, weil sie laut oder dramatisch beginnt, sondern gerade weil sie leise ist. Die Sprache ist klar, ruhig, fast zurückhaltend und genau dadurch entsteht eine besondere Nähe zu den Figuren. Ich hatte schnell das Gefühl, nicht nur zu lesen, sondern in Gedanken neben Christina zu stehen, während sie sich durch die Erinnerungen ihrer Großmutter tastet.
Sehr berührt hat mich dieses Motiv des Erbens: nicht nur eines Hauses, sondern von Geschichten, Entscheidungen, Brüchen. Man spürt, wie sehr die Vergangenheit noch in der Gegenwart wirkt, manchmal tröstlich, manchmal schwer. Die sommerliche Stimmung der Leseprobe hat für mich etwas Warmes, aber nie Kitschiges. Eher so, als würde man an einem alten Ort sitzen und plötzlich verstehen, warum man selbst so geworden ist, wie man ist.
Was mir besonders gefallen hat, ist der nachdenkliche, aber nicht schwermütige Ton. Es wird nichts erklärt oder aufgedrängt, sondern gezeigt. Vieles liegt zwischen den Zeilen und genau das macht Lust, weiterzulesen. Ich mag Geschichten, in denen Generationen miteinander verbunden sind, ohne dass alles auserzählt wird. Hier habe ich das Gefühl, dass noch viele Schichten warten.