Das Leben verpasst?

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buchlieberin Avatar

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Christina erbt das Haus ihrer Großmutter. Sie nimmt sich Urlaub um es auszuräumen. In dem Haus wuchs sie auf. Alles ist voller Erinnerungen. Vor diesem Hintergrund wird das Leben ihrer Großmutter Anni aufgefächert. Vom Zeitpunkt, als sie Anfang früh schwanger wurde, bis zu ihrem Tod.
Anni wuchs in Siebenbürgen auf. In Rumänien waren nach dem Krieg die Deutschen nicht mehr gerne gesehen. Sie entschließt sich nach Deutschland zu flüchten. Ihre Mutter lässt sie alleine zurück.
Sie findet einen Job beim Quelle-Versand, zieht ihre Tochter Helene auf, ist einsam und verschlossen.
Nie findet Anni Ruhe und einen Ort zu dem sie wirklich gehört. Auch Helene wird früh schwanger, Anni zieht auch Christina auf. War sie bei Helene sehr streng, überfordert, ungehalten, bekommt Christine Liebe (aber auch Strenge) zu spüren.
Sie ist das Buch nicht nur die Geschichte von Anni, sondern auch von ihrer Mutter, die allein in Rumänien ausharrt, ihrer Tochter Helene, die nach Amerika geht und die kleine Christina in Deutschland zurücklässt.
Vieles bleibt unausgesprochen zwischen diesen Frauen, die alle versuchen ihren Weg zu gehen und das Glück nicht finden, oder zumindest nicht sehen.
Ruhig, gefühlvoll und doch spannend erzählt. Es gibt viele Rückblenden und Perspektivwechsel. Bei jedem Kapitel musste ich mich erst mal orientieren: um wen geht es und wann spielt dieser Abschnitt. Alles fügt sich aber wundervoll zusammen.
Männer, insbesondere Väter, spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle im Buch. Sie sind meist einfach nicht anwesend.
Das Buch zeigt, dass auch die Vergangenheit der Vorfahren auf das eigene Leben Einfluss nehmen. Auch Teile meiner Familie haben einen Flüchtlingshintergrund, der auch mich prägt, obwohl man kaum mit mir darüber gesprochen hat. Doch dieser Heimatkonflikt ist auch mir bekannt.
Wunderschöne Sprache und auch ein Stück deutscher Geschichte bot mir dieser schöne Roman.