Hoffnung auf ein bessers Leben

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Ich war gespannt auf diesen Roman, da ich selbst viele Jahre in Nürnberg, unweit des Quelle-Areals lebte und mittlerweile in Sichtweite der sagenumwobenen Schickedanz-Villa in Fürth wohne.

Im Mittelpunkt von Nadine Schneiders Roman steht Christina, die gerade das Haus ihrer Großmutter Anni in einem Vorort von Nürnberg geerbt hat. Diese ist Mitte der 60er Jahre schwanger mit Christinas Mutter vor der Diktatur in Rumänien nach Deutschland geflohen und zunächst bei ihrem Bruder in Nürnberg in dessen kleinen und schäbigen Wohnung untergekommen, bevor sie Jahre später das Haus von einem Onkel geerbt hat. 35 Jahre lang, bis es mit der Firma immer mehr bergab ging, arbeitete Anni beim Versandhändler Quelle und war fasziniert von dessen Chefin Grete Schickedanz. Christina wuchs mehr oder weniger bei ihrer Oma auf, begleitete sie auch bei ihren Reisen zur Uroma in Rumänien. Nun ist es an Christina das Haus von Anni zu räumen und sich von vielen liebgewonnenen Dingen zu verabschieden, was ihr schwerfällt.

Meiner Meinung nach ist es der Autorin gut gelungen, die Atmosphäre rund um den Quelle-Versand einzufangen. Die Bedingungen, als noch alles rund lief und unzählige Menschen dort arbeiteten. Grete Schickedanz, die jedem ein Begriff war und auch die Bindung, die Anni, wie so viele andere zur "Quelle" aufgebaut hat, weshalb sie deren Untergang auch sehr mitnimmt. Auch Annis Zerrissenheit zwischen der alten Heimat und dem Wunsch nach einem besseren Leben in Deutschland, in dem sie sich aber dennoch ihr Leben lang fremd fühlt, wird sehr deutlich. Christina als ihre Enkelin war mir sehr sympathisch, wie sie zunächst mit ihrer Oma und später mit der Trauer umgeht. Der Schreibstil der Autorin war sehr anschaulich, zum Beispiel, wie sie das Quelle Areal vor und nach dem Niedergang oder die Fahrt mit der U-Bahn zwischen Fürth und Nürnberg beschrieben hat. Ich habe die Geschichte als Hörbuch angehört und empfand die Stimme der Sprecherin als passend gewählt. Man konnte ihr gut folgen.