Langatmig

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buchgeflüster_95 Avatar

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„Das gute Leben“ von Nadine Schneider ist ein leiser, zugleich sehr eindringlicher Roman über Herkunft, Migration, Familie und die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht.

Im Zentrum steht Christina, die das Haus ihrer Großmutter Anni erbt und dort einen letzten Spätsommer verbringt. Während sie Zimmer für Zimmer durchgeht, Fundstücke in Schubladen entdeckt und den geplanten Urlaub mit Freundinnen sausen lässt, taucht sie in die Vergangenheit ein und setzt aus Erinnerungen und Familiengeschichten ein vielschichtiges Bild ihrer Vorfahrinnen zusammen.
Ihre Großmutter Anni flieht aus Rumänien nach Deutschland zieht allein ihre Tochter und später ihre Enkelin groß und kämpft gegen Einsamkeit, Armut und das Gefühl des Fremdseins. Vier Frauengenerationen werden sichtbar, oft nur in Andeutungen, und machen deutlich, wie sehr Erwartungen, Enttäuschungen und unausgesprochene Schuldgefühle sich durch eine Familie fortschreiben. Der Roman kreist um die Frage, was das „gute“ Leben ist. Materieller Aufstieg, Sicherheit, oder die Freiheit, den eigenen Weg zu wählen.

Stilistisch betrachtet ist es mir als Leser sehr schwer gefallen, in die Handlung zu kommen. Innerhalb einzelner Kapitel wechselt der Text zwischen der Ich-Erzählerin Christina und der Erzählweise aus Sicht von ihrer Großmutter Anni. Handlungsorten kann man nur schwer folgen. So war mir lange nicht klar, ob das geerbte Haus der Großmutter in Deutschland oder Rumänien ist.

„Das gute Leben“ ist ein Generationenroman, der zeigt, wie stark Vergangenheit und Herkunft in künftige Generationen einer Familie wirken. Der Sprachstil der Autorin lässt die Handlung zurückhaltend und ruhig wirken. Die häufigen Rückblenden und Ortswechsel waren für mich eher verwirrend als spannend und haben meinen Lesefluss gestört und die Handlung langatmig werden lassen.