Mütter und Töchter

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Christina hat das Haus ihrer verstorbenen Oma Anni geerbt und kehrt zurück, um es auszuräumen. Dieser Aufenthalt lässt Erinnerungen hochkommen.

Die Kapitel werden abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Christina und von personaler Perspektive über Anni erzählt. Man erfährt, wie Anni schwanger aus Rumänien nach Deutschland ausgewandert ist und wie sie - mehr oder weniger allein - zurechtgekommen ist. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ebenfalls ab und manchmal ist der Perspektivenwechsel leider nicht ganz sauber gelungen. Gelegentlich braucht man ein paar Sätze, um sich am Anfang eines Kapitels neu einzufinden - die Kapitel sind nur durchnummeriert, es gibt leider keine Kapitelüberschriften, die die Orientierung erleichtern würden.
Anni ist einerseits eine starke, mutige Frau, andererseits aber auch oft überfordert, v.a. was den Umgang mit ihrer Tochter Helene anbelangt. Sie hat für das "gute Leben" viel geopfert.
Das Buch zeigt für mich, wie der Umgang von Mutter zu Tochter jeweils Einfluss auf die nächsten Generationen hat, wobei Anni der Dreh- und Angelpunkt ist. Man würde sich für alle eine bessere Beziehung wünschen, zwischen Anni und ihrer Mutter, Anni und ihrer Tochter Helene und Helene zu ihrer Tochter Christina. Es ist hart, dem Ganzen zuzuschauen, wenn sie alle nicht aus ihrer Haut können. Aber es ist so menschlich, dass man sich gut identifizieren kann.
Die Autorin hat es geschafft, Anni eine eigene Sprache, einen eigenen unverwechselbaren Duktus zu geben. Grundsätzlich finde ich den Erzählstil gelungen.
Ein Roman, der zum Nachdenken anregt.