Weg aus dem Dreck
Alleine und schwanger kommt Anni als 22-Jährige nach Deutschland. Sie ist aus dem deutschsprachigen Banat in Rumänien geflohen und will sich in der Region Nürnberg ein neues, ein besseres Leben aufbauen - fernab von Unfreiheit und Dreck. Sie nimmt einen Job beim Quelle-Versand an. Ob es ihr gelingen wird, ihr Ziel zu erreichen? Mehrere Jahrzehnte später steht ihre Enkeltochter Christina vor der Aufgabe, das Erbe anzutreten, denn Anni ist mit 75 Jahren gestorben. Sie beginnt, sich mit der Geschichte ihrer Familie zu beschäftigen…
„Das gute Leben“ ist ein Roman von Nadine Schneider.
Die Geschichte stellt die Frauen einer Familie in den Vordergrund: die Urgroßmutter, Großmutter Anni, Mutter Helene und Enkelin Christina sind die Protagonistinnen der vier Generationen. Dabei liegt der Fokus allerdings eindeutig auf Anni und Christina. Sie erwecken einen authentisch und glaubwürdigen Eindruck. Zudem verfügen sie über psychologische Tiefe. Trotzdem konnte ich nicht sofort einen Zugang zu ihnen finden.
Die Struktur des Romans ist komplex. Es gibt vier Teile, wobei sich diese Aufteilung für mich nicht erschließt. In 62 kurzen Kapiteln wird auf zwei Ebenen erzählt: einerseits in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Christina vom gegenwärtigen Geschehen, andererseits in der personalen Perspektive aus der Sicht von Anni von den zurückliegenden Jahrzehnten. Dadurch umfasst die Handlung eine große Zeitspanne.
Die Geschichte enthält eine Palette von Themen. Zunächst und vordergründig geht es um Migration und um die Suche nach einem besseren, einem guten Leben anderswo. Aspekte wie Herkunft, Zugehörigkeit, Identität, Einsamkeit, Heimweh und Erinnerungen spielen dabei eine Rolle.
Darüber hinaus stellt der Roman eine Familien- beziehungsweise eine Mütter-Töchter-Geschichte dar. Er zeigt auf, wie sich Verhaltensmuster wiederholen, wie sich Sprachlosigkeit zwischen den Generationen ausbreitet und wie sich die Vergangenheit unserer Vorfahren auf unsere Gegenwart und Zukunft auswirken können. Der Umgang mit Verlusten und Abschieden zieht sich ebenfalls durch den Roman.
Auf den rund 300 Seiten merkt man, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Teile ihrer eigenen Biografie sind im Roman verarbeitet. Zugleich ist mir jedoch auch der Gedanke gekommen, dass ihre Geschichte exemplarisch für viele andere stehen kann.
Der Text ist angenehm unaufgeregt und dennoch atmosphärisch. Die Sprache wirkt ungekünstelt, schafft aber zugleich viele Bilder.
Das kunstvolle Cover mit der symbolträchtigen Weinrebe ist nicht nur kreativ, sondern passt auch hervorragend, denn sie taucht mehrfach auf. Auch der knappe Titel harmoniert gut mit dem Inhalt.
Mein Fazit:
Mit „Das gute Leben“ hat Nadine Schneider einen vielschichtigen und tiefgründigen Roman geschrieben, der Denkanstöße liefert. Eine lesenswerte Geschichte!
„Das gute Leben“ ist ein Roman von Nadine Schneider.
Die Geschichte stellt die Frauen einer Familie in den Vordergrund: die Urgroßmutter, Großmutter Anni, Mutter Helene und Enkelin Christina sind die Protagonistinnen der vier Generationen. Dabei liegt der Fokus allerdings eindeutig auf Anni und Christina. Sie erwecken einen authentisch und glaubwürdigen Eindruck. Zudem verfügen sie über psychologische Tiefe. Trotzdem konnte ich nicht sofort einen Zugang zu ihnen finden.
Die Struktur des Romans ist komplex. Es gibt vier Teile, wobei sich diese Aufteilung für mich nicht erschließt. In 62 kurzen Kapiteln wird auf zwei Ebenen erzählt: einerseits in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Christina vom gegenwärtigen Geschehen, andererseits in der personalen Perspektive aus der Sicht von Anni von den zurückliegenden Jahrzehnten. Dadurch umfasst die Handlung eine große Zeitspanne.
Die Geschichte enthält eine Palette von Themen. Zunächst und vordergründig geht es um Migration und um die Suche nach einem besseren, einem guten Leben anderswo. Aspekte wie Herkunft, Zugehörigkeit, Identität, Einsamkeit, Heimweh und Erinnerungen spielen dabei eine Rolle.
Darüber hinaus stellt der Roman eine Familien- beziehungsweise eine Mütter-Töchter-Geschichte dar. Er zeigt auf, wie sich Verhaltensmuster wiederholen, wie sich Sprachlosigkeit zwischen den Generationen ausbreitet und wie sich die Vergangenheit unserer Vorfahren auf unsere Gegenwart und Zukunft auswirken können. Der Umgang mit Verlusten und Abschieden zieht sich ebenfalls durch den Roman.
Auf den rund 300 Seiten merkt man, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Teile ihrer eigenen Biografie sind im Roman verarbeitet. Zugleich ist mir jedoch auch der Gedanke gekommen, dass ihre Geschichte exemplarisch für viele andere stehen kann.
Der Text ist angenehm unaufgeregt und dennoch atmosphärisch. Die Sprache wirkt ungekünstelt, schafft aber zugleich viele Bilder.
Das kunstvolle Cover mit der symbolträchtigen Weinrebe ist nicht nur kreativ, sondern passt auch hervorragend, denn sie taucht mehrfach auf. Auch der knappe Titel harmoniert gut mit dem Inhalt.
Mein Fazit:
Mit „Das gute Leben“ hat Nadine Schneider einen vielschichtigen und tiefgründigen Roman geschrieben, der Denkanstöße liefert. Eine lesenswerte Geschichte!