Bitterböse Doppelmoral

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isaba Avatar

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John Lanchesters "Das habe ich wegen Dir getan" bietet mehr als die oberflächliche Unterhaltung, die der Titel vermuten lässt. Es handelt sich um eine Erzählung, die sich langsam entfaltet und dabei Themen anspricht, die dem Leser mitunter nahegehen könnten. Anstatt auf plumpe Effekte zu setzen, wählt das Werk einen Weg, der die Grenze zwischen alltäglichem Schicksal und einer unterschwelligen Bitterkeit auslotet. Dabei wird schnell klar, dass hinter der Fassade der Normalität oft Abgründe warten.

Der Kern der Geschichte befasst sich mit einem schweren Schicksalsschlag, der den Beginn sehr ernst und fordernd gestaltet. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, Kate und Phoebe, deren Lebenswege durch wechselnde Blickwinkel miteinander verknüpft werden. Ein besonderer Kniff ist dabei eine fiktive Fernsehserie, die erschreckende Parallelen zur Realität einer der Hauptfiguren aufweist. Diese Entdeckung führt dazu, dass aus tiefem Schmerz allmählich ein kühler Plan erwächst, der darauf abzielt, vergangenes Unrecht zu vergelten. Die Handlung spielt sich dabei oft in privaten Räumen ab, was der Erzählung eine sehr intime Atmosphäre verleiht.

Die Stärke der Story liegt in der Gestaltung der handelnden Personen. Diese wirken nicht wie schablonenhafte Figuren, sondern wie echte Menschen mit Ecken, Kanten und einer eigenen Vergangenheit. Es fällt leicht, ihr Handeln nachzuvollziehen, auch wenn sie sich nicht immer vorbildlich verhalten. Gerade dieser Verzicht auf klassische Sympathieträger macht den Reiz aus; man beobachtet sie eher mit einer Mischung aus Neugier und Befremden. Sprachlich wechselt das Buch zwischen sehr bildhaften Schilderungen und einer klaren, direkten Ausdrucksweise. Auch wenn mancher Abschnitt etwas kompakter hätte ausfallen können, trägt die Detailverliebtheit viel zur Stimmung bei. Ein großer Pluspunkt ist zudem die Ungewissheit: Es bleibt lange verborgen, welches Ziel die Ereignisse verfolgen. Diese Unberechenbarkeit hält die Aufmerksamkeit hoch.

"Das habe ich wegen Dir getan" ist eine lohnenswerte Geschichte für alle, die sich für menschliche Beziehungsgeflechte interessieren. Es ist kein Werk für zwischendurch, da die schmerzhaften Momente zu Beginn echtes Gewicht haben. Wer jedoch eine kurzweilige Lesezeit mit unvorhersehbarem Verlauf der Story sucht, wird von John Lanchester hiermit sicherlich solide unterhalten.