Eher Drama als Komödie - und bitterböse!
Meine Eindrücke zu diesem neuen Roman von John Lanchester fallen gemischter aus, als ich erwartet habe.
Nach der Kurzbeschreibung, in der sich Worte finden wie Rachekomödie, hochkomisch und atemloses Duell, habe ich ein gewisses Maß an Leichtigkeit und Humor erwartet. Auf den ersten Seiten war das durchaus zu finden, z.B. in den amüsanten Wortgefechten zwischen Kate und ihrem Mann Jack. Und in den süffisanten, reichlich selbstgerechten Kommentaren, mit denen sie, meist in ehelicher Übereinstimmung, ihr Umfeld bedenken, gerne auch ihren Freundeskreis. Da musste ich schon das ein oder andere Mal grinsen, doch relativ schnell war es vorbei mit dem komödiantischen Element.
Keine der beiden Protagonistinnen ist sympathisch, und ihren Gedankengängen zu folgen, fand ich mitunter anstrengend. Bei Phoebe noch mehr als bei Kate. Diese extrem ungute Mutter/Tochter-Beziehung wurde schmerzhaft intensiv, und für meinen Geschmack auch zu ausufernd beschrieben. Phoebe durch die psychischen Probleme und Befindlichkeiten ihrer toxischen Mutter zu begleiten, hat mir beim Lesen fast körperliches Unwohlsein beschert.
Der Autor entwickelt seine Geschichte nicht geradlinig, verweilt erstaunlich lange Zeit in einzelnen Situationen und Erlebnissen, sowohl vergangenen als auch gegenwärtigen, so dass sich mir wiederholt die Frage gestellt hat, worauf er denn hinauswill. Tatsächlich ist das meiste davon relevant, vielleicht nicht immer in dieser Ausführlichkeit, und irgendwann bekommt man eine Ahnung von den Zusammenhängen. Tatsächlich hat es bei mir ungefähr bis zur Hälfte gedauert, aber dann sind die Puzzleteilchen nach und nach an ihren Platz gefallen.
Kate hat es Phoebe am Ende mehr oder weniger mit gleicher Münze heimgezahlt, doch amüsiert hat mich das zu keiner Sekunde. Lange Zeit war Kate für mich die etwas weniger unangenehme Person, doch am Ende hat sie diese spärlichen Sympathien komplett verspielt. Den Weg, den sie gewählt und durchgezogen hat, fand ich schockierend, grausam und unangemessen. Das letzte Kapitel ist an Zynismus kaum zu überbieten.
Das Buch hat mir weniger gut gefallen als erwartet, war aber auch keine Enttäuschung, allein schon der Sprache wegen. Irreführend, vielleicht sogar ein bisschen ärgerlich, finde ich die Beschreibung. Für mich war das keine Komödie, schon gar nicht hochkomisch, und auch kein atemloses Duell, wie ich es mir vorstelle. Meines Erachtens gibt es dabei ein Hin und ein Her, hier schlägt erst die eine zu, dann die andere, und zwar nicht atem- sondern erbarmungslos. Und ja, es geht auch um Macht, Privilegien und Doppelmoral, aber warum man das auf Boomer gegen Millenials zuspitzt kann ich nicht nachvollziehen. Weil es gerade den Zeitgeist trifft, und/oder ein aktuelles gut klingendes Schlagwort ist…?
Fazit
Eine interessant konstruierte Geschichte, sprachlich eloquent, zeitweise etwas langwierig, mit einem pointierten Blick auf die Gesellschaft und fragwürdige Moral, mit zwei extrem unsympathischen Protagonistinnen, und vor allem eines - bitterböse.
Nach der Kurzbeschreibung, in der sich Worte finden wie Rachekomödie, hochkomisch und atemloses Duell, habe ich ein gewisses Maß an Leichtigkeit und Humor erwartet. Auf den ersten Seiten war das durchaus zu finden, z.B. in den amüsanten Wortgefechten zwischen Kate und ihrem Mann Jack. Und in den süffisanten, reichlich selbstgerechten Kommentaren, mit denen sie, meist in ehelicher Übereinstimmung, ihr Umfeld bedenken, gerne auch ihren Freundeskreis. Da musste ich schon das ein oder andere Mal grinsen, doch relativ schnell war es vorbei mit dem komödiantischen Element.
Keine der beiden Protagonistinnen ist sympathisch, und ihren Gedankengängen zu folgen, fand ich mitunter anstrengend. Bei Phoebe noch mehr als bei Kate. Diese extrem ungute Mutter/Tochter-Beziehung wurde schmerzhaft intensiv, und für meinen Geschmack auch zu ausufernd beschrieben. Phoebe durch die psychischen Probleme und Befindlichkeiten ihrer toxischen Mutter zu begleiten, hat mir beim Lesen fast körperliches Unwohlsein beschert.
Der Autor entwickelt seine Geschichte nicht geradlinig, verweilt erstaunlich lange Zeit in einzelnen Situationen und Erlebnissen, sowohl vergangenen als auch gegenwärtigen, so dass sich mir wiederholt die Frage gestellt hat, worauf er denn hinauswill. Tatsächlich ist das meiste davon relevant, vielleicht nicht immer in dieser Ausführlichkeit, und irgendwann bekommt man eine Ahnung von den Zusammenhängen. Tatsächlich hat es bei mir ungefähr bis zur Hälfte gedauert, aber dann sind die Puzzleteilchen nach und nach an ihren Platz gefallen.
Kate hat es Phoebe am Ende mehr oder weniger mit gleicher Münze heimgezahlt, doch amüsiert hat mich das zu keiner Sekunde. Lange Zeit war Kate für mich die etwas weniger unangenehme Person, doch am Ende hat sie diese spärlichen Sympathien komplett verspielt. Den Weg, den sie gewählt und durchgezogen hat, fand ich schockierend, grausam und unangemessen. Das letzte Kapitel ist an Zynismus kaum zu überbieten.
Das Buch hat mir weniger gut gefallen als erwartet, war aber auch keine Enttäuschung, allein schon der Sprache wegen. Irreführend, vielleicht sogar ein bisschen ärgerlich, finde ich die Beschreibung. Für mich war das keine Komödie, schon gar nicht hochkomisch, und auch kein atemloses Duell, wie ich es mir vorstelle. Meines Erachtens gibt es dabei ein Hin und ein Her, hier schlägt erst die eine zu, dann die andere, und zwar nicht atem- sondern erbarmungslos. Und ja, es geht auch um Macht, Privilegien und Doppelmoral, aber warum man das auf Boomer gegen Millenials zuspitzt kann ich nicht nachvollziehen. Weil es gerade den Zeitgeist trifft, und/oder ein aktuelles gut klingendes Schlagwort ist…?
Fazit
Eine interessant konstruierte Geschichte, sprachlich eloquent, zeitweise etwas langwierig, mit einem pointierten Blick auf die Gesellschaft und fragwürdige Moral, mit zwei extrem unsympathischen Protagonistinnen, und vor allem eines - bitterböse.