Ethisch höchst fragwürdiger Humor

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la tina Avatar

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Kate und Jack sind ein wohlhabendes Londoner Ehepaar in ihren 50ern. In der neuen Fernsehserie Betrug rechnet die junge Drehbuchautorin Phoebe scheinbar mit den beiden ab, da die Serie pikante Details ihrer Ehe preisgibt, ohne Kate und Jack hierbei namentlich zu benennen.
Das Buch wird als Rachekomödie vermarktet; was der Autor an seinem Roman als Komödie versteht kann ich jedoch nicht nachempfinden. Kates Perspektive wird aus ihrer subjektiven, für sie geschönten Sicht erzählt. Wer jedoch wiederholt betont, wie ach so sozial das Ehepaar doch sei, ist dies in der Regel nicht. Und so wird nach und nach der Leserschaft offenbart, welcher Typ Mensch Kate und ihr Ehemann in Wirklichkeit sind, die sich uns gegenüber zunächst als erfolgreich und beliebt darzustellen versucht. Dem gegenüber steht Phoebe, die hinter der Serie steht, deren Erfolg sie etwas überrumpelt hat. Sie ist clever und kreativ, hatte es jedoch nie leicht in ihrem Leben und wirkt dadurch charakterlich vom Leben gezeichnet.
Nachdem beide Frauen ihre jeweiligen Perspektiven bekommen haben fokussiert sich der Autor im Anschluss stark auf Kate um zu verdeutlichen, warum Phoebe die Serie geschrieben haben könnte. Kates (und Jacks) positive Fassade bekommt hierbei immer mehr Risse, sie verliert an Sympathie. Und holt letztendlich zu einem fiesen Gegenschlag aus, dessen Auswirkungen in meinen Augen völlig überzogen sind. Damit dies funktioniert, wendet der Autor das an, was viele Männer in der Medienbranche seit Jahrzehnten gerne tun, damit die Handlung die gewünschte Richtung einschlägt: Er macht Phoebe künstlich dumm. Eine Drehbuchautorin, die davon lebt, kreativ um die Ecke zu denken, soll plötzlich die einfachsten Hinweise nicht erkennen können?! Welch beschämender Betrug an der Leserschaft! Zudem wird Phoebe nur oberflächlich beschrieben, ihr Leid emotional kaum greifbar dargestellt, so dass sie zur stereotypen Kratzbürste verkommt. Und das soziopathische Verhalten, welches sich durch den Roman schlängelt wie eine giftige Ranke, wird vom Autor in keinster Weise moralisch hinterfragt oder bewertet sondern eher wie als Jux für die Endszene gefeiert.
Aufgebaut auf subjektiven Eindrücken einiger beispielhafter Szenen lebt das Buch von unreflektiertem, soziopathischen Fehlverhalten und ich-bezogenen Rachegedanken nebst unlogischer Charakterdarstellung. Eine Komödie mag das Buch höchstens für Menschen sein, die sich an Gehässigkeit und Schadenfreude bereichern.