Gefühlsecht, gemein und großartig: Betrug
Der bekannte englische Autor John Lanchester legt mit seinem neuesten Roman “Das habe ich wegen dir getan” eine brillante Rachekomödie vor. Wer ist hier Täterin, wer Opfer? Schon das gelungene Cover lässt die Grenzen verschwimmen: Was ist Licht, was ist Schatten?
Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Rachepläne, zwei Motive: Kate und Phoebe erzählen von Vergeltung:
“He, ich will dich, Disco Doll.” Das ist nur eine von Jacks frivolen Bemerkungen in seiner Ehe mit Kate. Worte, die so nie in der Öffentlichkeit fallen würden, die jedoch die Intimität dieser Beziehung prägen. Jack ist erfolgreicher Architekt, auch sozial sehr engagiert. Er kümmert sich um Obdachlose und bietet sogar einer betrunkenen jungen Frau, die auf seiner Türschwelle sitzt, spontan Asyl für die Nacht. Obwohl Kate und Jack der Boomer-Generation angehören, ist Jack sehr technikaffin; sein Smart-Home ist sein ganzer Stolz. Doch unerwartet stirbt er.
Phoebe, eine junge, gefragte Drehbuchautorin, feiert gerade ihren Durchbruch. Ihre Netflix-Serie ist ebenso amoralisch wie gemein, doch damit trifft sie den Zeitgeist. Phoebe empfindet keine Reue, weil sie intimste Details einer Ehe – der Ehe zwischen Jack und Kate – zum Gegenstand ihres Drehbuchs macht. Der Erfolg gibt ihr recht, vorerst. Doch dann folgen schlechte Kritiken und eines Tages steht Kate vor ihrer Tür.
John Lanchester beschreibt in unnachahmlicher und einfühlsamer Weise, wie Kate nach Jacks Tod leidet. Niemals wieder gemeinsam lästern, lachen, lieben – niemals, niemals, niemals! Jack muss sie betrogen haben und die intimsten Details ihrer Ehe verraten haben. Kate fühlt sich gedemütigt, ihr bisheriges Leben erscheint als Lüge. Trauer schlägt in Wut um, der Schmerz weicht jedoch mit der Zeit einer unwiderlegbaren Analyse: Genau so, nur so kann es gewesen sein! Und Kate sinnt auf Rache – Rache an Phoebe, die erstaunlich bürgerlich mit Toni zusammenlebt, einem Lehrer und verkannten Musiker. Daneben kümmert sie sich um ihre fürchterliche Mutter. Doch es gibt etwas in ihrer Familiengeschichte, ein Ereignis, das nach Vergeltung verlangt. Nach Rache an Kate und Jack!
John Lanchester zeichnet das Bild zweier Frauen, die vor nichts zurückschrecken, um das Leben der anderen zu zerstören, und die sich bedenkenlos nehmen, was sie wollen. Beide haben gute Gründe für ihr Handeln, beide kennen keinerlei Gewissensbisse oder moralische Zweifel. Unterschwellig und gekonnt ironisch verhandelt der Autor auch den Generationenkonflikt und verschiebt dabei lustvoll die Grenzen des Anstandes.
Die Stärke des Buches liegt in seiner unverwechselbaren und launig-bildhaften Sprache. Aus Worten wachsen große Gefühle – so echt und intensiv, als würde man sie tatsächlich spüren. Wenn man glaubt, die Figuren und ihre Motive durchschaut zu haben, führt John Lanchester die Lesenden mit einem gekonnten Twist in die Irre. “Das habe ich wegen dir getan” ist meisterhaft konstruiert, witzig und voller skrupelloser Gemeinheiten – ein absoluter Pageturner, ein Lesevergnügen und ein herausragender Roman.
Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Rachepläne, zwei Motive: Kate und Phoebe erzählen von Vergeltung:
“He, ich will dich, Disco Doll.” Das ist nur eine von Jacks frivolen Bemerkungen in seiner Ehe mit Kate. Worte, die so nie in der Öffentlichkeit fallen würden, die jedoch die Intimität dieser Beziehung prägen. Jack ist erfolgreicher Architekt, auch sozial sehr engagiert. Er kümmert sich um Obdachlose und bietet sogar einer betrunkenen jungen Frau, die auf seiner Türschwelle sitzt, spontan Asyl für die Nacht. Obwohl Kate und Jack der Boomer-Generation angehören, ist Jack sehr technikaffin; sein Smart-Home ist sein ganzer Stolz. Doch unerwartet stirbt er.
Phoebe, eine junge, gefragte Drehbuchautorin, feiert gerade ihren Durchbruch. Ihre Netflix-Serie ist ebenso amoralisch wie gemein, doch damit trifft sie den Zeitgeist. Phoebe empfindet keine Reue, weil sie intimste Details einer Ehe – der Ehe zwischen Jack und Kate – zum Gegenstand ihres Drehbuchs macht. Der Erfolg gibt ihr recht, vorerst. Doch dann folgen schlechte Kritiken und eines Tages steht Kate vor ihrer Tür.
John Lanchester beschreibt in unnachahmlicher und einfühlsamer Weise, wie Kate nach Jacks Tod leidet. Niemals wieder gemeinsam lästern, lachen, lieben – niemals, niemals, niemals! Jack muss sie betrogen haben und die intimsten Details ihrer Ehe verraten haben. Kate fühlt sich gedemütigt, ihr bisheriges Leben erscheint als Lüge. Trauer schlägt in Wut um, der Schmerz weicht jedoch mit der Zeit einer unwiderlegbaren Analyse: Genau so, nur so kann es gewesen sein! Und Kate sinnt auf Rache – Rache an Phoebe, die erstaunlich bürgerlich mit Toni zusammenlebt, einem Lehrer und verkannten Musiker. Daneben kümmert sie sich um ihre fürchterliche Mutter. Doch es gibt etwas in ihrer Familiengeschichte, ein Ereignis, das nach Vergeltung verlangt. Nach Rache an Kate und Jack!
John Lanchester zeichnet das Bild zweier Frauen, die vor nichts zurückschrecken, um das Leben der anderen zu zerstören, und die sich bedenkenlos nehmen, was sie wollen. Beide haben gute Gründe für ihr Handeln, beide kennen keinerlei Gewissensbisse oder moralische Zweifel. Unterschwellig und gekonnt ironisch verhandelt der Autor auch den Generationenkonflikt und verschiebt dabei lustvoll die Grenzen des Anstandes.
Die Stärke des Buches liegt in seiner unverwechselbaren und launig-bildhaften Sprache. Aus Worten wachsen große Gefühle – so echt und intensiv, als würde man sie tatsächlich spüren. Wenn man glaubt, die Figuren und ihre Motive durchschaut zu haben, führt John Lanchester die Lesenden mit einem gekonnten Twist in die Irre. “Das habe ich wegen dir getan” ist meisterhaft konstruiert, witzig und voller skrupelloser Gemeinheiten – ein absoluter Pageturner, ein Lesevergnügen und ein herausragender Roman.