Konnte mich nicht erreichen

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dimity74 Avatar

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Kate und Ehemann Jack sind ein Paar wie aus dem Bilderbuch, sie kennen sich in und auswendig und sind auch nach vielen Jahren Ehe noch verliebt ineinander. Doch bald überschatten dunkle Wolken Kates Glück, eine Netflix-Serie begeistert die Massen und Kate muss mit Entsetzen feststellen, dass hier eins zu eins die Szenen ihrer Ehe mit Jack wiedergegeben werden. Natürlich will sie herausfinden, woher Drehbuchautorin Phoebe ihr Insiderwissen hat und letztlich bleibt da nur eine Erklärung.

Die Kurzbeschreibung zum Buch hat mich direkt angesprochen, der Klappentext enthält das Zitat "Eine brilliant komponierte Geschichte über Liebe und Rache", das Buch wurde als "wunderbar fies", "düster" und "überzeugend" angepriesen und ich war von der Grundidee der Story hin und weg. Allein wenn ich mir vorstelle, ich würde mein Leben, meine intimsten Momente plötzlich auf dem Bildschirm sehen, gespielt von mittelmäßigen Schauspielern, die eindeutig mich und meinen Ehemann darstellen sollen und die Dialoge führen, wie wir sie nur geführt haben, wen wir allein waren und das in einem Setting, das meine ganze Beziehung in Frage stellt. Ich würde ausrasten, wäre wütend, enttäuscht, zu tiefst gekränkt und vielleicht auch auf Rache aus, so wie Kate, aber so hätte ich definitiv nicht gehandelt.

Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass mir John Lanchasters Schreibstil nicht gefallen hätte, im Gegenteil, eigentlich hat er mich ziemlich schnell in die Geschichte gezogen. Man lernt erstmal Kate und Jack kennen, erlebt die Beiden als Paar und erfährt ein wenig über sie. Der Autor schreibt hier tatsächlich mit viel, teils etwas speziellem Humor und ich mochte es, mochte Kate. Als Phoebe ins Spiel kam war diese mir irgendwie direkt etwas unsympatisch, ohne das ich das konkret an etwas festmachen konnte. Später hat sich dieser Eindruck allerdings komplett gedreht, wobei ich sagen muss, dass letztlich keine der Figuren mir am Ende noch wirklich nah war.

Den Verlauf, den die Geschichte nimmt, konnte ich anfangs noch mittragen, ich war gespannt auf die Entwicklung, auf die Auflösung, die Hintergründe, allerdings hat sich hier recht schnell abgezeichnet, dass der Autor, oder besser Kate mich in ihrer ganzen Art immer mehr verliert. Ab einem gewissen Punkt, war mir unterbewusst klar, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln würde und ich sollte recht behalten. Zu diesem Zeitpunkt habe ich allerdings schon so mit der Story, oder besser den Figuren gehadert, dass ich kurz davor stand das Buch abzubrechen, etwas, das ich eigentlich wirklich selten in Betracht ziehe. Ich musste mich wirklich zwingen weiter zu lesen und als dann endlich die schon im Klappentext erwähnt Rache ins Spiel kam, habe ich kurz Hoffnung geschöpft, dass das Ganze mich doch noch packt, frei nach dem Motto - besser spät, als nie, aber leider wurde meine Hoffnung nicht erfüllt.

Ich bin mir anhand anderer Rezensionen bewusst, dass ich mit meinem Eindruck relativ allein bin, aber letztlich muss ich ehrlich sein. Mir war dieses Ganze dann einfach zu viel, ich bin eigentlich ein Freund bitterböser Rachepläne, je ausgefeilter, umso besser, aber was hier abgeht war mir zu drüber, einfach nur böse und zu zerstörerisch. Für mich stimmt das Verhältnis zwischen der Tat und der Reaktion darauf überhaupt nicht. Klar wurde Kate auf das Übelste verletzt und betrogen, aber was sie dann abzieht sorry, geht gar nicht und ja, auch Phoebes Beweggründe finde ich nicht angemessen, ich kann ihre Gefühle verstehen, verstehe aber nicht, warum sie der Meinung war sich so zu behelfen, da war mir der Hintergrund letztlich zu dünn, um ihr diese extreme Bewältigung abzunehmen.

Fazit, die Grundidee des Buches und der Schreibstil des Autors haben mir gut gefallen, die Richtung in die er seine Story treibt hat mich aber mehr und mehr verloren, seine Figuren konnten mir ihre Handlungen leider nicht glaubhaft begründen und waren mir irgendwann auch einfach nicht mehr sympatisch, so das ich ihr handeln auch nicht mit einem Augenzwinkern durchwinken konnte. Letztlich war das Buch nicht meins.