Rache und Geheimnisse

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lucyyy Avatar

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Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester ist ein ungewöhnlicher Roman, der sich vor allem mit Rache, Geheimnissen und den Folgen von Entscheidungen beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen Kate und Phoebe, deren Leben auf unerwartete Weise miteinander verbunden werden. Auslöser ist eine erfolgreiche Netflix-Serie, in der plötzlich sehr private Details aus Kates Ehe auftauchen.

Besonders interessant fand ich, dass die Geschichte aus den Perspektiven der beiden Frauen erzählt wird. Dadurch bekommt man einen Einblick in ihre Gedanken und kann beide Seiten besser verstehen. Gleichzeitig sind die Figuren nicht unbedingt sympathisch, was ich an dem Buch aber spannend fand. Man schwankt immer wieder zwischen Verständnis und Unverständnis für ihre Handlungen.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist direkt, teilweise bissig und hat einen trockenen Humor, der gut zur Geschichte passt. Besonders die Beobachtungen über Beziehungen, gesellschaftliche Erwartungen und den Umgang mit dem Leben anderer fand ich gelungen.

Am spannendsten fand ich die Entwicklung der Rachegeschichte. Anfangs kann man Kates Wut noch sehr gut nachvollziehen, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr stellt man sich die Frage, wie weit Rache eigentlich gehen darf. Dadurch gibt es nicht einfach eine klare Seite, auf der man stehen kann. Beide Frauen treffen Entscheidungen, die man teilweise verstehen kann, die aber trotzdem nicht unbedingt richtig sind.

An manchen Stellen fand ich die Geschichte etwas langgezogen, besonders im Mittelteil. Trotzdem wollte ich wissen, wie sich die Situation zwischen Kate und Phoebe weiterentwickelt. Einige Wendungen haben mich überrascht, auch wenn nicht alles völlig unerwartet kam.

Insgesamt ist Das habe ich wegen dir getan ein interessanter und teilweise ziemlich böser Roman, der nicht nur eine Rachegeschichte erzählt. Das Buch regt auch dazu an, über Privatsphäre, Beziehungen, Macht und die Konsequenzen des eigenen Handelns nachzudenken. Mir hat besonders gefallen, dass der Roman nicht versucht, eindeutig zu zeigen, wer gut oder böse ist, sondern diese Entscheidung dem Leser überlässt.