"Sättigt es sonst niemanden, so sättigt es doch meine Rache." (Shakespeare)

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johannaberger Avatar

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Wenn gleich zu Anfang des Romans eine Essenseinladung beschrieben wird, hat das Buch mich schon halb gewonnen. Unter den Gästen befinden sich Kate, eine der Ich-Erzählerinnen, und ihr Mann Jack. Der wirft gern mit Theorien um sich, etwa über die Anhänger der Küche von Yotam Ottolenghi. Der wohlsituierte Londoner Architekt findet sie epigonal und lächerlich. Nicht alle in seinem Publikum sind amüsiert vom Mansplainer.

Kate beobachtet den Smalltalk der Gäste, versetzt sich gedanklich in die Rolle der 25 Jahre jüngeren Frau am Tisch, die das selbstgerechte Gehabe der Boomer-Generation wahrscheinlich verachtet. Kurz nach der Party stirbt Jack. Kate findet heraus, dass in der gehypten Netflix-Serie (von der sie bei der Party erfahren hat) ihre eigene Ehe, intime Details, Unterhaltungen, einfach alles auf dem Fernsehschirm erscheinen. In die Trauer um ihren Mann mischt sich das kalte Entsetzen und sie tut alles, um dem Verbrechen an ihrem privaten Leben auf die Spur zu kommen und sich zu rächen.

Die Drehbuchschreiberin Phoebe ist ihre Gegenspielerin. Sie ist Angehörige der Millennial-Generation und wie Kate kein Ausbund an Sympathie. Phoebe muss aber anders als die arrivierte Kate kämpfen, um sich zu behaupten und mit ihren Ideen auf dem Medienmarkt zu überleben. Die beiden erzählen abwechselnd. Dazwischengesetzt sind Ausschnitte aus dem Drehbuch Phoebes.
Beiden Protagonistinnen fehlt es an Empathie. Die Rache kennt kein Mitleid, aber einige Opfer.

Der Roman fängt sehr gut an (siehe oben) und hängt dann enttäuschend durch. Lanchester hat sich sehr viel Zeit gelassen, bis die Spannung im dritten Teil anzieht. Er stellt die beiden Protagonistinnen vor, indem er sie von ihrer Situation, ihrem Umfeld, ihren Ansichten erzählen lässt. Das war mir zu langatmig, teilweise zu geschwätzig. Erst im dritten Teil wird’s mit der Erzählung von den Oxforder Studententagen richtig spannend. Ab da hat mich der Roman auch nicht mehr losgelassen - obwohl man ahnt, wie’s ausgeht.

Ein Sittenbild aus der Londoner Gesellschaft. Zwei Generationen. Zwei Klassen. Und das alte Rachemotiv.

Dreieinhalb Punkte.

Weniger politisch und gesellschaftskritisch als Lanchesters frühere Romane.

Übersetzung: Dorothee Merkel

Zum Erscheinungsdatum mehr im Blog: www.kultursalon.blog