Wenn die eigene Ehe zur Serie wird

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Kate ist Ende 50, wohlhabend, und ihr Mann ist vor Kurzem gestorben. Dann hört sie, wie andere über eine neue Netflix-Serie sprechen und dabei Sätze zitieren, die sie aus ihrer eigenen Ehe kennt. Als sie die Serie selbst schaut, erkennt sie an der Art, wie die Figuren miteinander reden, die Sprache wieder, die sie und ihr Mann nur miteinander hatten – eine, die eigentlich kein Außenstehender kennen kann. Geschrieben hat die Serie die Drehbuchautorin Phoebe, eine Millennial, die sich ihren Erfolg hocharbeiten musste. Daraus entsteht ein Kampf zwischen den beiden Frauen, zwei Generationen, zwei Milieus.

Am Anfang hatte ich etwas anderes erwartet. Das erste Kapitel dreht sich um die Sprache, die ein Paar miteinander hat, und ich dachte, es würde im ganzen Roman mehr darum gehen, wie Menschen miteinander reden. Dieser Faden zieht sich dann zwar weiter durch – über diese Sprache erkennt Kate ihre Ehe in der Serie wieder –, aber der Fokus verschiebt sich.

Mich hat das Buch durchweg begeistert. Ich fand es mega gut durchkomponiert – Details tauchen später wieder auf, und am Ende passt alles zusammen. Dazu ist es flüssig geschrieben, bitterböse, pointiert und sehr komisch. Als Thriller würde ich es nicht bezeichnen, ich fand es auch weniger düster, als ich nach den Beschreibungen gedacht hatte.

Ich fand das Verhältnis der beiden Frauen bitter. Ein klares Täter-Opfer-Schema gibt es nicht: Beide sind vielschichtig, beide haben ihre Gründe, und beide sind nicht nur sympathisch. Rache spielt bei beiden eine Rolle.

Was mich beim Lesen beschäftigt hat: Der Autor ist ein Mann und schreibt aus der Perspektive von zwei Frauen. Das ist nicht ungewöhnlich, und er macht es ziemlich gut. Trotzdem habe ich mich gefragt, wie dieses Buch wohl geworden wäre, wenn eine Autorin es geschrieben hätte. Ich habe zuletzt viele Bücher von Autorinnen gelesen, vielleicht fiel es mir deshalb auf.

Empfehlen würde ich den Roman allen, die gern gut durchdachte, komponierte, pointierte und intelligente Literatur lesen – und besonders Menschen aus beiden Generationen, Boomern wie Millennials.