Wenn Frauen sich wegen Männern gegenseitig zerstören

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minas.libraries Avatar

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Inhalt (spoilerfrei): In "Das habe ich wegen dir getan" geht es zunächst um Kate, die nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes Jack mit ihrer Trauer und dem Leben nach diesem Verlust zurechtkommen muss. Gleichzeitig lernen wir Phoebe kennen, eine junge Frau mit einer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter. Nach und nach werden die verschiedenen Lebensgeschichten miteinander verknüpft. Eine TV-Serie, die Kates Leben und insbesondere ihre Ehe aufgreift, bringt schließlich vieles ins Wanken, was Kate über ihre eigene Vergangenheit und ihre Beziehung zu Jack zu wissen glaubte.

Erzählperspektive & Stil: Der Roman wird aus mehreren Perspektiven erzählt, vor allem aus der Sicht von Kate und Phoebe. Genau hier lag für mich allerdings eine der größeren Schwächen: Ich konnte die beiden Stimmen häufig leider kaum voneinander unterscheiden. Ihre Gedanken, ihre Art zu reflektieren und auch ihre sprachliche Gestaltung wirkten auf mich sehr ähnlich. Gerade bei einem Roman, der so stark mit unterschiedlichen Perspektiven arbeitet, hätte ich mir da eine deutlichere Unterscheidung der Stimmen gewünscht. Wobei ich hier anmerken muss, dass gerade das ein bewusst gewählter Kniff des Autors sein könnte, um die moralischen Abgründe der beiden Personen zu einen, macht das Leseerlebnis aber etwas schwieriger. Der Schreibstil war auch generell ziemlich anstrengend. Lanchester arbeitet mit sehr langen, verschachtelten Sätzen, zahlreichen Einschüben und viel indirektem Erzählen. Immer wieder werden Gedanken, Erinnerungen und Wahrnehmungen ausführlich miteinander verknüpft. Dazu kommen dann noch zahlreiche Bewusstseinsströme, in denen Gedanken und Wahrnehmungen teilweise ohne klare Orientierung ineinanderfließen. Besonders oft hatte ich das Gefühl, dass die Figuren auf Dinge aus ihrer Vergangenheit anspielen, die für sie selbstverständlich sind, die ich als Leserin aber noch gar nicht einordnen kann. Es fühlte sich teilweise fast schon unverbunden und irrelevant an, sodass mich die Geschichte zwischenzeitlich leider immer wieder verloren hat.

Figuren: Die Figuren sind für mich wahrscheinlich einer der interessantesten, aber gleichzeitig auch verstörendsten Aspekte des Romans. Keine der Figuren ist wirklich sympathisch. Im Zentrum stehen drei Frauen (Kate, Phoebe und Phoebes Mutter Diana), die unglaublich abgebrüht wirken und bereit sind, für ihre jeweiligen Ziele sämtliche moralischen Grenzen zu überschreiten. Sie nehmen sich, was sie wollen, unabhängig davon, welche Konsequenzen ihr Handeln für andere Menschen hat. Dabei geht es immer wieder um Liebe, Besitzansprüche, Kränkung und vor allem um Rache. Keine von ihnen handelt einfach nur aus Bosheit. Hinter ihrem Verhalten stehen alte Verletzungen, Wut, Verlust und das Bedürfnis, jemanden für etwas büßen zu lassen. Gleichzeitig fand ich es erschreckend, wie sehr sie sich von diesen Gefühlen bestimmen lassen und wie problemlos sie ihre eigenen Handlungen vor sich selbst rechtfertigen. Besonders auffällig fand ich dabei, dass sich letztlich fast die gesamte Geschichte um diese drei Frauen und ihre Rachegelüste dreht, während die Männer, um die sich ihre Konflikte entwickeln, vergleichsweise unschuldig wirken. Es gibt dadurch eine ziemlich extreme Darstellung von weiblicher Wut, Manipulation und Rachsucht.

Themen: Das zentrale Thema des Romans war für mich ganz eindeutig Rache. Dabei geht es nicht nur um den Wunsch, jemandem etwas heimzuzahlen, sondern der Autor illustriert auch, was passiert, wenn Kränkungen und Verletzungen über Jahre bestehen bleiben und irgendwann das gesamte Handeln einer Person bestimmen. Auch Liebe, Obsession, Eifersucht und Besitzansprüche werden hier eindringlich verhandelt. Die Figuren rechtfertigen ihre Handlungen immer wieder mit Gefühlen, die eigentlich etwas Positives sein könnten, aber eigentlich führen genau diese Gefühle zu immer extremeren Entscheidungen.

Fazit: Ehrlich gesagt, war "Das habe ich wegen dir getan" mich ein ziemlich ambivalentes Leseerlebnis. Die Geschichte selbst ist ungewöhnlich, psychologisch interessant und teilweise spannend. Vor allem im letzten Drittel nimmt der Roman endlich an Fahrt auf und entwickelt einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte. Es ist dem Autor m.E. gut gelungen, mit Wahrheit, Erinnerung und Inszenierung zu spielen. Allerdings war der Mittelteil war für mich deutlich zu langatmig, vieles wurde meiner Meinung nach unnötig ausführlich erzählt und sprachlich hätte ich mir mehr Präzision gewünscht. Ich glaube, ein strengeres Lektorat hätte dem Buch gutgetan. Manche Passagen hätten für mich rigoroser gekürzt, vereinfacht oder ganz gestrichen werden können. Die Geschichte hätte dadurch meiner Meinung nach deutlich stärker funktioniert. Unterm Strich ist es für mich ein sehr wildes, ungewöhnliches Buch, das mich gleichzeitig fasziniert und immer wieder angestrengt hat.

Was mich allerdings beim und vor allem nach dem Lesen beschäftigt hat, ist das Frauenbild, das dieser Roman zeichnet. Ein männlicher Autor stellt uns drei zentrale Frauenfiguren gegenüber, die sich mit unglaublicher Konsequenz gegenseitig zerstören. Und das Erschreckende daran ist ja, dass sie dies letztlich vor allem wegen und für Männer tun. Sie kämpfen um Männer, rächen sich aneinander wegen Männern, verletzen andere Frauen, weil sie einen bestimmten Mann wollen oder weil eine andere Frau ihnen angeblich etwas weggenommen hat. Gleichzeitig haben die Männer in diesem ganzen Geflecht keineswegs eine weiße Weste. Auch sie haben andere Menschen verletzt, Entscheidungen getroffen und ihren Anteil an den Konflikten. Trotzdem scheint die eigentliche Gewalt immer wieder zwischen den Frauen stattzufinden. Das finde ich ehrlich gesagt alarmierend. Warum müssen es ausgerechnet die Frauen sein, die sich gegenseitig zerfleischen, während die Männer, um die sich alles dreht, vergleichsweise glimpflich davonkommen? Es geht mir nicht darum, dass ein männlicher Autor keine moralisch fragwürdigen Frauenfiguren schreiben darf, sondern um das Frauenbild, das durch die gesamte Konstellation entsteht. Sind wir heutzutage nicht weiter? Und ist diese extreme Darstellung weiblicher Eifersucht, Rachsucht und Konkurrenz bewusst so gewählt, um uns etwas vor Augen zu führen? Will sich der Roman eigentlich für Solidarität unter Frauen aussprechen, indem er bewusst das Gegenteil aufzeigt und schockieren will, oder soll der Roman zeigen, wie zerstörerisch es ist, wenn Frauen sich gegenseitig zu Gegnerinnen machen, obwohl eigentlich ganz andere Menschen Verantwortung für das Geschehene tragen? Ist das vielleicht sogar eine Kritik an genau diesem Muster?

Eigentlich möchte ich heute gar keine Geschichten mehr lesen, in denen Frauen sich gegenseitig wegen Männern das Leben zerstören, während der Mann im Zentrum dieser Konflikte am Ende völlig unschuldig erscheint. Wir sind doch längst an einem Punkt, an dem wir darüber sprechen, dass Frauen einander nicht als Konkurrentinnen betrachten müssen, nur weil ein Mann zwei Frauen begehrt, eine Frau einen Mann „weggenommen“ haben soll oder jemand einen Mann attraktiver findet als die andere. Warum sollte eine Frau einer anderen Frau bewusst Schmerz zufügen, nur weil sie denselben Mann will? Warum sollte die Wut immer auf die andere Frau gerichtet werden und nicht auf den Mann, der selbst Entscheidungen getroffen und möglicherweise mehrere Menschen verletzt hat? Gerade deshalb hat mich dieses Buch so beschäftigt. Ist das eine bewusste Kritik an einem überholten Frauenbild? Oder ist es tatsächlich ein Frauenbild, das der Autor selbst reproduziert? Ein Bild von Frauen, die aus Eifersucht und Konkurrenz gegeneinander kämpfen, sich gegenseitig zerstören und sich letztlich um Männer reißen. Und wenn Letzteres der Fall ist, finde ich das ehrlich gesagt ziemlich schrecklich. Vielleicht soll der Roman genau diese Absurdität sichtbar machen. Vielleicht soll er zeigen, wohin Frauenfeindlichkeit, patriarchale Beziehungsmuster und internalisierte Konkurrenz führen können. Aber wenn das die Absicht ist, hätte ich mir gewünscht, dass der Roman diese Perspektive für mich deutlicher hinterfragt und vielleicht auch Stellung nimmt, z.B. in der Danksagung, aber diese fehlt in diesem Buch völlig, was mich auch ein bisschen irritiert hat. Ebenso, wie mich die Vermarktung des Buches irritiert hat. Der Roman wird als "Rackekomödie", "bitterböser und hochkomisch" beschrieben. Bei mir ist aber rein gar nichts davon angekommen. Ich fand diese Konstellation nicht komisch, sondern eher befremdlich und teilweise sogar ziemlich ernüchternd. Wenn drei Frauen sich gegenseitig das Leben ruinieren, weil sie denselben Männern hinterherjagen oder sich für Männer rächen wollen, musste ich nicht lachen, sondern mich eher fragen, warum wir diese Dynamik überhaupt noch reproduzieren müssen. Für mich war die Geschichte weder besonders witzig noch hatte sie eine komödiantische Leichtigkeit. Im Gegenteil, ehrlich gesagt, fand ich sie vor allem düster, zynisch und teilweise sogar ziemlich verstörend. Vielleicht soll genau darin die Ironie des Romans liegen. Vielleicht ist diese völlig überzogene Darstellung von weiblicher Eifersucht, Konkurrenz und Rachsucht eigentlich als schwarzer Humor oder als bissige Satire auf genau dieses alte Muster gemeint. Dass Frauen sich gegenseitig zerfleischen, während die Männer, um die es eigentlich geht, erstaunlich glimpflich davonkommen. Aber sorry: Wenn das die Absicht war, ist sie bei mir komplett verpufft. Ich fand es nicht bissig oder schwarzhumorig, sondern vor allem befremdlich und irgendwann ehrlich gesagt einfach nur noch frustrierend. Die Absurdität dieser Dynamik hat mich nicht zum Lachen gebracht, sondern eher dazu, mich zu fragen, warum ausgerechnet Frauen hier immer wieder gegeneinander aufgebracht werden.

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