Vom Suchen und Finden kleiner Wunder

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noiram Avatar

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Die Leseprobe zu „Das Jahr der Schmetterlinge“ hat mich auf eine sehr unaufgeregte und doch tiefe Weise berührt. Es beginnt mit einer fast schon banalen Situation – die Familie liegt nach Neujahr mit Influenza flach –, doch genau aus dieser Erschöpfung heraus entsteht ein faszinierendes Projekt: Die Autorin Lea Korsgaard beschließt, innerhalb eines Jahres alle tagaktiven Schmetterlingsarten Dänemarks zu finden.
​Der Schreibstil ist angenehm bodenständig und dennoch voller schöner Beobachtungen. Besonders gut hat mir die Stelle gefallen, in der sie über den Begriff des „Amateurs“ nachdenkt. Dass das Wort vom lateinischen „amare“, also lieben, kommt, gibt der ganzen Geschichte einen sehr sympathischen Rahmen. Man spürt, dass es hier nicht um wissenschaftliche Höchstleistungen geht, sondern um die reine Freude an der Natur und das Staunen darüber, was direkt vor unserer Haustür passiert.
​Die Mischung aus persönlichen Erlebnissen und interessanten Fakten – zum Beispiel über die weiten Wanderungen der Distelfalter – ist toll gelungen. Man lernt beim Lesen quasi nebenbei dazu, ohne dass es sich wie ein Lehrbuch anfühlt. Auch die Beschreibungen der kleinen Raupen in ihrem Esszimmer, die wie „mythische Wesen“ wirken, fand ich sehr bildhaft und gelungen.
​Das Buch scheint eine wunderbare Einladung zu sein, das eigene Leben zu entschleunigen und wieder genauer hinzusehen. Es ist ein inspirierender Text, der zeigt, dass man kein Experte sein muss, um sich für die Schönheit der Welt zu begeistern. Ich bin sehr gespannt, ob sie am Ende des Jahres wirklich alle Schmetterlinge entdeckt hat.