Bezauberndes Mosaik

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
mirko Avatar

Von

Die dänische Autorin Lea Korsgaard stürzt sich in ein ungewöhnliches Projekt, das sie völlig einnimmt und dem sie sich mit großer Leidenschaft widmet: Sie will alle dänischen, tagaktiven Schmetterlinge innerhalb einer Saison sehen! Genau davon erzählt dieses Buch. Korsgaard erzählt aus verschiedensten Blickwinkeln. Da ist zum einen der wissenschaftliche: Man erfährt etwas über die Flugbewegungen der verschiedenen Schmetterlingsarten zwischen Süd- und Nordeuropa oder Mexiko und Kanada/USA. Dabei stirbt eine Generation und die nächste setzt den Weg fort. Woher weiß die Folgegeneration, was zu tun ist? Man erfährt etwas über die Metamorphose: Vom Ei zur Raupe, dann zur Puppe und schließlich zum Schmmetterling.
Damit nicht genug. Die Autorin bringt Elemente aus der griechischen Mythologie ebenso ein wie solche aus der Bibel bzw. dem Christentum. Freuds Psychoanalyse und diverse Philosophen kommen zu Wort. Aber sie erreicht mich als Leser immer dann am meisten, wenn sie über ihre persönlichen Befindlichkeiten, ihre Freude und Sorgen, ihren Alltag und ihre Verbindung zur Natur spricht. Ihrer Reise im Verlauf eines Jahres zu folgen, ist äußerst unterhaltsam.
Vladimir Nabokov, Hermann Hesse und Hannah Arendt finden Erwähnung. Klimawandel und Artensterben werden eindringlich beleuchtet. Damit regt sie sehr zum Innehalten und Nachdenken an.
Dann wieder erzählt Lea Korsgaard von den persönlichen Begegnungen, die sie auf ihrer Suche hatte. Wie ein Mosaik ergibt daraus nach und nach ein Bild. Dabei vollbringt sie aus meiner Sicht die größte Leistung dadurch, dass es ihr gelingt, die vielen Themen in ein sinnvolles und zielführendes Gleichgewicht zu bringen. Bei einer solchen Vielfalt von Themen, wie man sie hier findet, läuft ein Autor grundsätzlich Gefahr, den Fokus, die Balance zu verlieren. Das ist hier überhaupt nicht der Fall. Zum einen sind wirklich alle Themen, die sie einbringt, interessant und dienen gleichzeitig dem Gesamtkontext. Darüber hinaus „verklebt“ sie diese Themen mit ihrer persönlichen Reise, ihren Gedanken und einer großen Offenheit.
Ich kann ihre Begeisterungsfähigkeit sehr gut nachvollziehen, da ich selbst die Natur vor einigen Jahren völlig neu entdecken durfte, als ich mich dem Thema Landschaftsfotografie verschrieben hatte. Auch das war eine bemerkenswerte Reise, die mich sehr geprägt hat. Nicht zuletzt dadurch hat mich das Buch sehr bewegt. Ich kann es kaum erwarten, die nun anstehenden wärmeren Tage zu nutzen, um erneut tief in die Natur einzutauchen und dort mit geschärften Sinnen auf Entdeckungsreise zu gehen.