Metamorphose

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
jidewi Avatar

Von

Zugegeben: ich habe sie auch belächelt, die Ornithologen, die durch verschiedene Landschaftszweige streifen, immer auf der Suche nach der nächsten Vogelart, die ihnen auf ihrer Liste noch fehlt, weil sie die noch nie in ihrem Leben gesehen haben. Oder die Entomologen, die für ein Hobby durch Sumpfgebiete kriechen, nur, um diesen einen Käfer zu sichten oder sich mit Raupen und ihren verschiedenen Verpuppungsstadien beschäftigen. Und irgendwie fehlte mir auch schlichtweg der Zugang zum Thema und einer solchen Naturverbundenheit, die so viel Aufopferung erfordert, aus meiner Sicht.

Das hat sich mich den Jahren gewandelt und ist auch ein Grund, warum mich „Das Jahr der Schmetterlinge“ von Lea Korsgaard so begeistert hat, denn diese Geschichte ist so viel mehr, als nur ein Jahr, dass sie diesen wunderschönen Insekten widmet. Es ist eine Reise rund um Dänemark voller anregender Gespräche, interessanter Weggefährten und immer wieder ein Einblick und Rückblick in Geschichte, Religion und Klimaschutz, also auch politisch geprägt. Die Mischung ist gelungen, sie kombiniert Roman mit Sachbuch und gibt sich immer wieder Momenten der Reflexion hin, stellt sich Fragen, die ihr auf der Suche nach den Schmetterlingen begegnen und sie selbst verändert sich spürbar von Seite zu Seite. Besonders ist vor allem, dass diese Veränderung nicht nur bei der Protagonistin ansetzt, sondern auch ganz klar bei mir. Ich fühle ihre Begeisterung und merke bei mir selbst, dass ich die Entomologen etc. aus den falschen Gründen belächelt habe. Denn das große, ganze Bild und die Schönheit der Arbeit der überwiegenden Amateure wird erst komplett sichtbar, wenn man sich ehrlich und echt mit der Materie auseinandersetzt und eben seiner bedeutenden Komplexität. Eine Empfehlung für alle, die mit offenen Augen durch die Natur gehen und die Besonderheit der kleinen Dinge zu schätzen wissen.