Der Klang des Meeres
Was ich in der Stadt am meisten vermisse, sind die großen, ruhigen Mischwälder meiner Kindheit. Wir sind im Sommer zum Schwimmen an den Waldsee gefahren, haben im Herbst Pilze gesucht und im Winter Schlittenfahrten unternommen. Wir hatten als Kinder alle Zeit der Welt und mir fehlen die ausgedehnten Stunden im Grünen in meinem erwachsenen, streng getakteten Alltag. Witzig, dass ich bei einem Roman über das Meer und die Wale ausgerechnet an meinen Kindheitswald denken muss. Aber Kelly Andersens poetische Erzählung über Annie und ihre besondere naturverbundene Kindheit und Jugend auf dem Segelboot ihrer Eltern, der innigen Liebe zu ihrer Großmutter Ruth und der engen Freundschaft zu ihrem Kindheitsfreund Evan bringen alte Saiten in mir zum Schwingen. Das wilde, meerliebende Mädchen hat ihr ganzes Leben auf dem Segelboot der Eltern verbracht, die sich entschieden hatten vor der Geburt der Tochter aus dem engen Leben an Land auszusteigen. In Hale’s Landing ankern sie nur, um Ruth zu besuchen, die nicht ganz versteht, warum ihr Sohn seine Medizinkarriere für eine Frau, die in den Augen der anderen als durchgeknallt gilt, an den Nagel gehängt hat. Doch sie liebt Annie und ist ihr eine wichtige Bezugsperson. Und Annie ist mit ihren 19 Jahren eigentlich fast erwachsen. Sie setzt bei den Eltern durch, eine Nacht an Land zu verbringen, um mit Evan auf eine Party zu gehen. Der Abend endet nicht gut, doch die Nacht hält eine riesige Katastrophe bereit. Ein Tsunami überspült die gesamte Küstenregion und löscht Annies bekannte Welt aus. Sie hat zum ersten Mal in ihrem Leben Angst vor dem Meer.
Kelly Andersen erzählt von dem Leben dicht am Meer und nimmt neben Annie immer wieder auch andere Personen in den Fokus, malt nach und nach ein ganzes Bild, in dem es viel zu entdecken gibt und doch nicht alles sichtbar wird. Die Gegenwart ist geprägt von dem Verlust der Eltern und dem Zugang zum Meer, den Annie nur schwer verarbeiten kann. Sie findet am Strand einen jungen, bewusstlosen Mann, dessen Gegenwart ihr ein merkwürdiges Gefühl von Ruhe gibt. Dabei liebt sie von ganzem Herzen Evan. Doch so wie zum Meer, scheint ihr der Zugang zu Evan abhanden zu kommen. Oder ist es der Zugang zu sich selbst, den sie nach und nach verliert? Es ist ein schwer zu beschreibender Plot mit schwierigen Protagonisten und geheimnisvollen Figuren, bei denen ich manchmal ganz nah dran bin und mitleide, und manchmal verwundert aus der Distanz auf sie blicke. Es ist ganz weit weg von meinem eigenen Leben und meiner Lebenserfahrung, aber ich spüre zwischen den Zeilen Schwingungen, die mir ein hoffnungsvolles Grundgefühl geben, ein Alles-wird-am-Ende-gut-Gefühl. Mich beeindruckt, wie die Autorin Annies Trauma nach dem verstörenden Naturereignis in sprachliche Bilder packt und wie unangenehm Annies Schmerz an mir kratzt und zerrt. In Kontrast setzt sie dazu die unbeschwerte Annie vor dem Tsunami. Es ist ein besonderes Buch, das mich an die unbeschwerten Tage meiner Kindheit draußen in der Natur erinnert und mich mit dem Gefühl entlässt, dass sich möglicherweise ein Weg dahin zurückfinden lassen könnte.
Kelly Andersen erzählt von dem Leben dicht am Meer und nimmt neben Annie immer wieder auch andere Personen in den Fokus, malt nach und nach ein ganzes Bild, in dem es viel zu entdecken gibt und doch nicht alles sichtbar wird. Die Gegenwart ist geprägt von dem Verlust der Eltern und dem Zugang zum Meer, den Annie nur schwer verarbeiten kann. Sie findet am Strand einen jungen, bewusstlosen Mann, dessen Gegenwart ihr ein merkwürdiges Gefühl von Ruhe gibt. Dabei liebt sie von ganzem Herzen Evan. Doch so wie zum Meer, scheint ihr der Zugang zu Evan abhanden zu kommen. Oder ist es der Zugang zu sich selbst, den sie nach und nach verliert? Es ist ein schwer zu beschreibender Plot mit schwierigen Protagonisten und geheimnisvollen Figuren, bei denen ich manchmal ganz nah dran bin und mitleide, und manchmal verwundert aus der Distanz auf sie blicke. Es ist ganz weit weg von meinem eigenen Leben und meiner Lebenserfahrung, aber ich spüre zwischen den Zeilen Schwingungen, die mir ein hoffnungsvolles Grundgefühl geben, ein Alles-wird-am-Ende-gut-Gefühl. Mich beeindruckt, wie die Autorin Annies Trauma nach dem verstörenden Naturereignis in sprachliche Bilder packt und wie unangenehm Annies Schmerz an mir kratzt und zerrt. In Kontrast setzt sie dazu die unbeschwerte Annie vor dem Tsunami. Es ist ein besonderes Buch, das mich an die unbeschwerten Tage meiner Kindheit draußen in der Natur erinnert und mich mit dem Gefühl entlässt, dass sich möglicherweise ein Weg dahin zurückfinden lassen könnte.