Eine Geschichte zwischen Naturverbundenheit und Mystik
Annie MacLeod ist wortwörtlich ins Meer geboren. Viele Jahre ihres Lebens hat sie auf einem Segelboot verbracht, denn ihre Mutter erträgt das Leben unter Menschen und ohne das Meer nicht. Doch Annies Großmutter lebt an Land in einem kleinen Ort namens Hale's Landing an der Westküste Kanadas und Annie verbringt regelmäßig Zeit mit ihr. So lernt sie Evan kennen und über die Jahre hinweg entwickelt sich aus der Kinderfreundschaft eine tiefe Verbundenheit, sodass Annie Evan im Alter von 19 Jahren zu einer Party begleitet und dadurch an Land und nicht bei ihren Eltern auf dem Boot ist, als ein Tsunami die Küste trifft. Während Annie versucht zu begreifen, was mit ihren Eltern passiert ist und der Ort sich seinen Verlusten stellt, erscheint am Strand ein unbekannter seltsamer junger Mann, der zunächst nicht spricht, zu dem Annie jedoch von Anfang eine Verbundenheit spürt, die aus ihrem tiefsten Inneren zu kommen scheint: Walker ist mysteriös und hütet seinen eigenen Geheimnisse.
Was jetzt nach einem Liebesroman mit Dreiecksbeziehung klingt, ist jedoch etwas ganz anderes. Natürlich geht es in der Geschichte auch um Liebe, aber teilweise auf einer gänzlich anderen Ebene. Es geht nicht vordergründig um Intimität und Rivalität, sondern im gegenseitiges Verständnis und den eigenen Platz im Leben und der menschlichen Gesellschaft. Auch Annie hat das Gefühl, nicht dazu zu gehören und nicht akzeptiert zu werden. Gleichzeitig zerrt eine unbändige Sehnsucht nach dem Meer an ihr. Ihre Geschichte handelt von Naturverbundenheit, Sehnsucht und einem auslaugenden Leben, das in der heutigen Zeit so oft den Alltag beherrscht. Dementsprechend haben mich viele Szenen sehr entspannt, die Naturbeschreibungen haben oft friedvolle Bilder hervorgerufen und die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur bewusst gemacht. Gleichzeitig ist die Geschichte sehr offen für Deutungen. Sie ist das, was man darin lesen möchte. Sie spielt mit Andeutungen, wirkt mystisch, verweist mitunter auf Sagen, aber sie verlässt selten den Bereich des Realistischen. Das Buch handelt von Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zur Natur spüren, teilweise so weit, dass sie von der Gesellschaft ausgegrenzt und für verrückt erklärt werden. Und es liefert mit dieser Geschichte eine Art von Theorie, warum das so sein könnte. Natürlich eine literarische Idee, eine mystische Möglichkeit und keinesfalls eine wissenschaftliche oder logische Erklärung. Doch in die Umgebung, die die Autorin mit Hale's Landing und der kanadischen Westküste geschaffen hat, passt diese Möglichkeit unglaublich gut hinein.
Dieses Mystische hat mir gut gefallen und mich fasziniert. Noch schöner hätte ich es gefunden, hier Anknüpfungspunkte mit den First Nations (den indigenen Völkern Kanadas) zu finden. Auch gibt es zwischendurch immer wieder einmal Längen und die Geschichte tritt das ein oder andere Mal etwas länger auf der Stelle. Zudem finde ich den englischen Titel ("The Wild Beneath", zu deutsch "Die Wildnis darunter") und das Cover der englischen Ausgabe deutlich passender. Ich finde es etwas schade, dass man hier auf den Zug der Bücher mit Tiertiteln aufspringen wollte.
Insgesamt hat mich das Buch glaubhaft an die kanadische Westküste versetzt, mich die Magie der Natur spüren und die Sehnsucht nach dem Meer nachfühlen lassen. Es hat mich emotional sehr berührt. "Das Jahr der Wale" ist ein ungewöhnliches Buch, das mich noch lange begleiten wird.
Was jetzt nach einem Liebesroman mit Dreiecksbeziehung klingt, ist jedoch etwas ganz anderes. Natürlich geht es in der Geschichte auch um Liebe, aber teilweise auf einer gänzlich anderen Ebene. Es geht nicht vordergründig um Intimität und Rivalität, sondern im gegenseitiges Verständnis und den eigenen Platz im Leben und der menschlichen Gesellschaft. Auch Annie hat das Gefühl, nicht dazu zu gehören und nicht akzeptiert zu werden. Gleichzeitig zerrt eine unbändige Sehnsucht nach dem Meer an ihr. Ihre Geschichte handelt von Naturverbundenheit, Sehnsucht und einem auslaugenden Leben, das in der heutigen Zeit so oft den Alltag beherrscht. Dementsprechend haben mich viele Szenen sehr entspannt, die Naturbeschreibungen haben oft friedvolle Bilder hervorgerufen und die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur bewusst gemacht. Gleichzeitig ist die Geschichte sehr offen für Deutungen. Sie ist das, was man darin lesen möchte. Sie spielt mit Andeutungen, wirkt mystisch, verweist mitunter auf Sagen, aber sie verlässt selten den Bereich des Realistischen. Das Buch handelt von Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zur Natur spüren, teilweise so weit, dass sie von der Gesellschaft ausgegrenzt und für verrückt erklärt werden. Und es liefert mit dieser Geschichte eine Art von Theorie, warum das so sein könnte. Natürlich eine literarische Idee, eine mystische Möglichkeit und keinesfalls eine wissenschaftliche oder logische Erklärung. Doch in die Umgebung, die die Autorin mit Hale's Landing und der kanadischen Westküste geschaffen hat, passt diese Möglichkeit unglaublich gut hinein.
Dieses Mystische hat mir gut gefallen und mich fasziniert. Noch schöner hätte ich es gefunden, hier Anknüpfungspunkte mit den First Nations (den indigenen Völkern Kanadas) zu finden. Auch gibt es zwischendurch immer wieder einmal Längen und die Geschichte tritt das ein oder andere Mal etwas länger auf der Stelle. Zudem finde ich den englischen Titel ("The Wild Beneath", zu deutsch "Die Wildnis darunter") und das Cover der englischen Ausgabe deutlich passender. Ich finde es etwas schade, dass man hier auf den Zug der Bücher mit Tiertiteln aufspringen wollte.
Insgesamt hat mich das Buch glaubhaft an die kanadische Westküste versetzt, mich die Magie der Natur spüren und die Sehnsucht nach dem Meer nachfühlen lassen. Es hat mich emotional sehr berührt. "Das Jahr der Wale" ist ein ungewöhnliches Buch, das mich noch lange begleiten wird.