Wenn das Meer zur Figur wird

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Annie wächst auf dem Segelboot ihrer Eltern Mara und Aiden auf. Die exzentrische Mara erträgt es nicht an Land und braucht das Meer zum Überleben. Nur die Sommer verbringen sie in Hale´s Landing, wo Aidens Mutter Ruth lebt. Dort stromert Annie mit dem gleichaltrigen Evan durch die Gegend. Gerade erwachsen zerbricht Annies Welt, als ein Tsunami ihr alles nimmt. Doch er spült auch Walker an, aus dem Annie einfach nicht schlau wird.
„Das Jahr der Wale“ von Kelly Anderson ist so verzehrend wie das Meer selbst, was nicht nur an dessen Präsens im Roman liegt, sondern an der Art wie Kelly Anderson es beschreibt. Es wird zu einer eigenen Figur, was mich tief beeindruckt und mich wie ein Strudel in die Geschichte gezogen hat. Aber auch die Menschen, die dieses Debüt bevölkern, sind einzigartig und faszinierend, allen voran die Frauen, womit man mich immer sofort gewonnen hat, auch wenn die Männer durchaus tragende Rollen spielen. Besonders faszinierten mich Annie und Mara.
Sprachlich hat es mich ebenfalls abgeholt, manchmal fast poetisch, manchmal sehr sachlich, aber immer passend. Der Plot ist gut durchdacht, nur die späteren Kapitel hätte ich gerne gegen welche von Mara eingetauscht. Hin und wieder bin ich über Formulierungen gestolpert, was wohl eher der Übersetzung geschuldet ist, wobei ich wie so oft nicht verstehe, warum eine Autorin von einem Mann übersetzt wurde.
Obwohl der Roman keine 400 Seiten fasst, passiert unheimlich viel, was die Geschichte schnell vorantreibt. Das Meeressetting bringt demgegenüber den nötigen Ausgleich, damit es nicht zu getrieben wirkt. Jedoch muss man sich auf eine gute Prise Mystik einstellen und darauf, dass manches in den Untiefen des Meeres verborgen bleibt.
Alles in allem hab ich „Das Jahr der Wale“ gerne gelesen, auch wenn Annie mich später leider verloren hat, und ich immer ein wenig Team Walker geblieben bin, aber dem Leseerlebnis hat das keinen Abbruch getan.