Zwischen scharfer Realität und fantastischer Bindung zum Meer

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lollyolopop Avatar

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Gerade im Sommer bin ich eigentlich immer auf der Suche nach Büchern mit Meer-Bezug, daher ist mir dieser Roman mit dem Wal auf dem Cover gleich ins Auge gesprungen. Der Klappentext passt, finde ich, nur so halb zum Sprachstil des Buchs Leseprobe. Irgendwie wird da sehr viel direkt über die Handlung direkt verraten. (Da hätte ich einen etwas reduzierteren Klappentext gut gefunden). Wir springen zwischen dem Jetzt und dem Damals hin und her und erfahren gleich über Annies besondere Beziehung zum Meer. Sie ist schon als Kind am Segelboot aufgewachsen. Durch einen Tsunami verliert sie ihre Eltern und das Leben, wie sie es bisher kannte. Gleichzeitig spült die See aber einen geheimnisvollen jungen Mann an Land, zu dem sie direkt eine besondere Verbindung spürt. Dann gibt es noch Evan, der eine Art Verbindung für sie zum städtischen Leben und der Realität ist.
Das Buch erzählt episodenhaft von Annies Eltern, Annie selbst und von Menschen, die ihr sonst noch nahestehen und springt in den Zeitebenen hin und her. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass ein „normales“ Leben recht düster und überfordernd dargestellt wird, wohingegen das Leben am Wasser recht verklärt erscheint. Die Bilder, die die Autorin über das Meer zeichnet, sind eindrücklich, aber sprachlich manchmal ein bisschen schroff. Irgendwie finde ich das aber passend. Das Leben in der Stadt ist Annie dagegen zu viel, zu laut (sie trägt dann immer Ohrstöpsel) und schlichtweg belastend. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch einfach als eine Metapher für einen neurodivergenten Menschen gedeutet werden kann.
Es war auf der einen Seite extrem schön, dieses Buch zu lesen (gerade der Beginn mit den vielen schönen Momenten am Meer), aber das letzte Drittel war auch anstrengend, weil die Welt, in der sie dann lebt, so bedrückend ist. Ich war sehr gespannt wie sich das Buch auflöst und muss aber zugeben, dass mir das Ende nur so halb gefallen hat. Die Auflösung ist plötzlich ziemlich fantastisch, was in ziemlichen Kontrast zu den vielen auch sehr realen Szenen steht. Ich bin mir auch nicht sicher, was damit bewirkt werden soll. Davor war das einzige Fantastische der Fakt, dass Annie einen bestimmten Ton hören kann, wenn Walker in ihrer Nähe ist. Das Ende ist allerdings eher offen und mit Art Gestaltwandlerfähigkeiten (?) aufgelöst. Irgendwie war das unbefriedigend für mich und daher einen Stern Abzug. Wenn man aber nach einem Buch sucht, dass tolle Beschreibungen vom Meer beinhaltet, so ist man hier genau richtig.