Zwischen zwei Welten

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janps Avatar

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Zunächst einmal war ich etwas skeptisch. Es klang sehr nach einem dieser Bücher, die sich selbst zu ernst nehmen, und ein bisschen stimmt das auch, am Ende hat mich die Geschichte jedoch trotzdem gepackt.
Aber erst einmal zum Inhalt: Annie MacLeod wächst an der kanadischen Westküste zwischen Meer und Land auf, eng verbunden mit ihrem Freund Evan. Ein Tsunami entreißt ihr die Eltern und ihr altes Leben, sie rettet den stummen Walker aus den Fluten, zu dem sie sofort eine seltsame Verbindung spürt. Als er ebenso plötzlich wieder verschwindet, baut Annie sich ein Leben an Land auf, bis sein Ruf sie sechs Jahre später zurückholt und sie sich endgültig entscheiden muss, wohin sie gehört.
Erst einmal das Positive: Anderson kann Natur beschreiben, ohne dass es kitschig wird (fast nie zumindest). Man merkt, dass sie selbst an der Küste aufgewachsen ist, das Meer ist hier keine Kulisse, sondern fast eine eigene Figur. Auch der Zeitsprung nach sechs Jahren funktioniert gut, weil er der Geschichte eine zweite Ebene gibt: Annie muss sich nicht nur zwischen Evan und Walker entscheiden, sondern auch zwischen der Frau, die sie geworden ist, und der, die sie eigentlich sein wollte.
Was mich gestört hat war das Tempo des Buches, gerade vor dem Zeitsprung. Da pendelt Annie ewig zwischen ihren Optionen, ohne dass wirklich etwas passiert. Wer mag, wenn ein Buch sich Zeit lässt, kommt damit klar. Ich war an der Stelle kurz davor, es wegzulegen.
Das Jahr der Wale ist kein Buch, das ich jedem in die Hand drücken würde, aber für alle, die Fernweh nach Meer haben und sich auf eine leise, atmosphärische Liebesgeschichte mit einem Hauch Mystery einlassen wollen ist es definitiv eine Empfehlung.