Ein Knistern zum Mitspüren

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
billaschmitz Avatar

Von

Schon der Titel des Romans ist unglaublich passend und bildhaft gewählt und bekommt in der Erzählung häufiger seinen Raum. Die Geschichte erzählt vom 15-jährigen Matti,reicher Sohn vielbeschäftigter Eltern, der auf einer Klassenfahrt einen schweren psychischen Zusammenbruch erleidet und fortan mit Kontrollverlusten und einer Antilope zurecht kommen muss, genauer gesagt einem Impala.
Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, denn es handelt sich um eine unheimlich fesselnde Erzählung. Das Werk besticht durch eine ganz besondere Sichtweise auf die Welt. Durch Mattis Augen bekommt der Alltag eine faszinierende, nachdenkliche, manchmal auch humorvolle Tiefe und zeitweise liest sich der Roman wie eine Autobiografie, was ich so nicht erwartet habe. Für mich ist es zwar kein klassischer Coming-of-Age-Roman , aber das ist nebensächlich.
Besonders beeindruckend ist die überzeugende und nachvollziehbare Beschreibung der Dissoziationen. Wenn sich für Matti die Realität verschiebt, wird dieser Ausnahmezustand beim Lesen fast physisch spürbar – absolut stimmig und vollkommen kitschfrei. Die bedingungslose Loyalität seiner Freunde bringt dabei eine großartige Dynamik in die Geschichte.
Mein Fazit: Sehr gut! Ein sprachlich starkes, bewegendes Werk über mentale Gesundheit. Nicht der einzelne Mensch ist krank, sondern auch das System, was ihn umgibt (z.B. Familie). Ebenso ist ein stützendes System einer der Schlüssel zur Linderung oder Gesundung. Natürlich kann man auf der recht geringen Seitenzahl (167 Seiten) kein Handbuch zur Resilienz erwarten, aber zum positiven Nachdenken regt der Roman auf jeden Fall an.