Ein sehr bewegendes Buch mit Tiefgang und Erinnerung

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monalisa7 Avatar

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Matti, 15 Jahre alt, Sohn reicher Eltern, ist auf Klassenfahrt. Zehnte Klasse, auch noch auf meiner Lieblingsinsel Amrum. Wattwürmer ausgraben, rumhängen am Strand, kiffen und küssen, so war der Plan.
Und mitten in dieser Watt-Leichtigkeit passiert es: Matti erlebt einen psychischen Zusammenbruch. Es ist, als würde er die Welt von unten sehen. In den Dünen erscheint ihm eine Antilope.
Ein Jahr später sieht er sie immer noch. Seine Eltern schicken ihn zur Therapeutin. In der zwölften Klasse kommt er in die Psychiatrie. Seine Freunde befreien ihn daraus. Einige Stunden später sind sie erneut auf Amrum.
Der Klappentext sagt es so nüchtern schön: Die letzten Schuljahre, das erste Mal mit einem Mädchen, das erste Mal mit einem Jungen und eine Diagnose, die alles noch komplizierter macht.
Ich habe paar Tränen vergossen bei diesem Buch. Nicht, weil es traurig ist. Sondern weil es so wahr ist.
Stephan Lohse erzählt mit so viel Empathie von psychischer Gesundheit, mit Witz und Poesie vom Jugendlichsein - und genau das spürst du auf jeder Seite. Dieses Knistern, von dem der Titel spricht, das ist nicht das All da oben. Das ist das Knistern in Mattis Kopf. Das Flirren, wenn die Welt zu laut, zu hell, zu viel wird.
Kennst du das Gefühl, wenn du 16 bist und denkst, alle anderen haben eine Gebrauchsanleitung fürs Leben bekommen, nur du nicht? Matti hat das. Nur dass bei ihm noch diese Antilope dazukommt. Die niemand sonst sieht. Und Lohse macht daraus nie ein Spektakel. Er macht daraus Poesie. Die Antilope ist Angst. Ist Sehnsucht. Ist das Andere, das in uns lebt.
Was mich komplett zerstört hat:
Die Freunde. Anna, Can und die anderen. Sie stellen keine Fragen wie "Reiß dich halt zusammen". Sie helfen ihm bedingungslos. Sie befreien ihn aus der Psychiatrie. Sie fahren einfach wieder mit ihm nach Amrum. Weil Freundschaft manchmal heißt: Wir halten das zusammen aus. Wir schauen mit dir die Antilope an, auch wenn wir sie nicht sehen.
Der letzte Satz im Klappentext hat mich am Ende laut schluchzen lassen: Und davon, wie viel leichter es wird, wenn man bei alldem so gute Freunde hat wie Matti.
Ich war Matti. Ich glaube, wir waren alle mal Matti auf Amrum - stehen am Strand, die Zukunft ist ungewiss, wir blicken ins Nichts und hoffen einfach nur, dass wir nicht allein sind. Und Lohse sagt: Du bist es nicht.
Lies es nicht, wenn du eine schnelle Jugendgeschichte suchst. Lies es, wenn du dich erinnern willst, wie sich das anfühlt, wenn das eigene Gehirn plötzlich eine fremde Sprache spricht - und wie heilsam es ist, wenn jemand trotzdem bleibt.