"Einmal Leben und zurück."

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sollingschnecke Avatar

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Wir lernen den Ich- Erzähler Matti in der 10. Klasse auf der Klassenfahrt nach Amrum kennen. Seine Freunde Anna und Can sind auch dabei. Sofort ist das Gefühl "Klassenfahrt" und "Jugendherberge" beim Lesen präsent. Das Überschreiten von Grenzen gehört wahrscheinlich irgendwie auch schon seit Ewigkeiten zu einer Klassenfahrt dazu. Und so passiert es nach einem ausschweifendem Abend mit Trinken, Kiffen, Knutschen: Matti hört " ein vages, rätselhaftes Knistern im All". " Ich driftete ab. ...Steckte plötzlich bis zum Hals in Traurigkeit. Bekam keine Luft mehr. Konnte nicht mehr sprechen. Kein einziges Wort. Die Flächen von Himmel und Meer existierten nicht mehr. Nichts war real. Alles war Lüge und Verrat." Eine afrikanische Antilope erscheint plötzlich an der Seite von Matti. Wir erfahren, dass Matti unter einer tiefen Traurigkeit leidet. Er erlebt einen psychischen Zusammenbruch.

Ich hatte am Anfang etwas Schwierigkeiten, mich in die Sprache einzufinden. Die Sätze sind oft kurz und die Zusammenhänge so wirr, wie das Leben von einem Teenager ist. Doch mit jeder Seite wurde mir der Schreibstil sympathischer und die Aussagekraft des Romanes stärker. Für mich ist dieses Buch eine Suche des privilegierten rich kids Matti nach Nestwärme. Diese bekommt Matti in ganz verschiedenen Formen, angefangen auf der Fähre von der skurrilen Galeristin Irmi, oder seinen guten Freunden Anna und Can. Mir gefällt das Beschreiben der Unsicherheit und der Suche des Protagonisten, das Darstellen der Krankheit und das Aufzeigen der Hilfemöglichkeiten. Für meinen Geschmack hatte der Roman viel dicker sein müssen und viel mehr in die Tiefe gehen sollen. So fliegt man nur meist etwas oberflächlich mit Matti durch ganze 2 Jahrgangsstufen. Das finde ich etwas schade. Schön ist, dass wir immer in den Momenten bei Matti sein dürfen, wenn er von seinen Gefühlen überwältigt wird.

Der Roman "Das Knistern im All" von Stephan Lohse ist bei Suhrkamp nova erschienen.

Neben den Hauptfiguren gefällt mir Irmi sehr. Sie kümmert sich einfach und steht für Matti ein. Sie fragt nicht, sondern handelt einfach. Den Klassenlehrer finde ich auch sympathisch. Er hat Schwächen und gibt diese sogar zu. Ich empfehle diesen Roman allen Teenies ab ca. 15/16 Jahren, aber auch Erwachsene sollten sich viel öfter mit dem Gefühlsleben von Heranwachsenden befassen.... Meine persönlich schönsten Erinnerungen an Klassenfahrten / Gruppenfreizeiten sind auf der einen Seite auf jeden Fall das Gemeinschaftsgefühl, andererseits aber auch das Gefühl von Verantwortung übernehmen, Organisieren lernen. Das hat mein Leben bislang positiv beeinflusst.