Freundschaft & Realität(-sverlust)

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Schon das Cover von Das Knistern im All hat mich neugierig gemacht. Die blaue Antilope vor der Dünenlandschaft wirkt gleichzeitig etwas unwirklich und trotzdem passend zu der Geschichte, die Stephan Lohse erzählt. Erst beim Lesen wird klar, wie gut dieses Bild eigentlich zu Mattis Wahrnehmung der Welt passt.
Matti ist fünfzehn, als er während einer Klassenfahrt nach Amrum einen psychischen Zusammenbruch erlebt. Von da an verändert sich vieles für ihn, während um ihn herum das ganz normale Chaos des Erwachsenwerdens weitergeht: Freundschaften, erste Liebe, Unsicherheiten und die Frage, wer man eigentlich sein möchte. Was mir dabei besonders gefallen hat, ist, dass die psychische Erkrankung nicht als großes dramatisches Ereignis behandelt wird, das die ganze Figur auf einmal definiert. Matti bleibt vor allem ein Jugendlicher mit seinen Eigenheiten, seinem Humor und seinen manchmal ziemlich schrägen Gedanken. Gerade dadurch fand ich ihn glaubwürdig.
Überhaupt hat mich die Freundschaft zwischen Matti und seinen Mitschülern am meisten berührt. Sie sind nicht immer besonders souverän im Umgang mit seiner Situation, aber sie bleiben da. Das fand ich viel interessanter als eine idealisierte Darstellung von Freundschaft. Niemand hat die perfekten Worte oder weiß genau, was richtig ist, und trotzdem versuchen sie, füreinander da zu sein.
Stephan Lohses Sprache ist dabei etwas Besonderes. Sie ist teilweise sehr direkt und jugendlich, dann wieder überraschend poetisch und eigenwillig. Manche Bilder haben mir richtig gut gefallen, andere waren mir fast ein bisschen zu skurril. Trotzdem passt dieser ungewöhnliche Stil gut zu Mattis Innenleben und zu dem Gefühl, dass die Welt manchmal gleichzeitig völlig normal und vollkommen fremd sein kann.
Auch die relativ kurze Länge des Romans fand ich angenehm. Die Geschichte braucht keine dreihundert Seiten, um ihre Wirkung zu entfalten. An manchen Stellen hätte ich mir trotzdem etwas mehr Tiefe gewünscht, gerade bei einzelnen Entwicklungen und Figuren. Dafür bleiben bestimmte Szenen und vor allem die Atmosphäre erstaunlich lange im Kopf.
Für mich ist Das Knistern im All vor allem ein Buch über Freundschaft, wenn das Leben plötzlich komplizierter wird, als man es mit fünfzehn eigentlich gebrauchen kann. Es ist manchmal komisch, manchmal traurig und an einigen Stellen ziemlich eigen – aber gerade das macht es interessant. Ich würde es nicht nur Jugendlichen empfehlen, sondern auch Erwachsenen, die sich auf eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte einlassen möchten.