Warmen Fisch zum Frühstück

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owenmeany Avatar

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Diese Coming-of-Age-Geschichte, gespickt mit viel Sprachartistik und schrägen Gedanken, habe ich gerne und schnell gelesen. Der 15jährige Matti erlebt in einer turbulenten Lebensphase Episoden psychischer Krankheit, die therapeutisch behandelt werden, die er aber auch mit Hilfe eines zuverlässigen Freundskreises und dem Erlebnis erster Liebe zu bewältigen versucht.

Der Jugendroman beginnt ganz konventionell mit einer Klassenfahrt auf die Insel Amrum, wo ihn erste Aussetzer aus der Gemeinschaft katapultieren, es folgen eine Party, der Aufenthalt in der Psychiatrie und dann der Flucht aus selbiger.

Ein Teil seines inneren Konflikts ist das wohl begüterte, aber dysfunktionale Elternhaus mit zwei aus der Nazizeit noch vorbelasteten Elternteilen. Der Vater verdient gut mit Rüstungsgütern, die Mutter hat ihr Erbe in die Firma beigesteuert - irgendwie voll das Klischee, von dem sich Matti mit einer linken Position abzusetzen versucht. Vieles blieb für mich anfangs im Nebel, vor allem wegen der in den Handlungsablauf integrierten Halluzinationen Mattis, bis ich ab Seite 60 mehr über die Hintergründe erfuhr. Ob die Krankheitssymptome und deren Behandlung aus fachlicher Sicht glaubwürdig geschildert sind, kann ich als Laie nicht beurteilen.

Fasziniert hat mich jedenfalls Lohses sprachliche Virtuosität, die lyrische Passagen hervorbringt mit Formulierungen wie "Die Hitze kroch zwischen die Wörter ...", aber durchaus auch humoristische Einwürfe wie in den etymologischen Betrachtungen der Psychiaterin oder im Kapitel über die Jugendherberge, in dem er ironisch die Pseudo-Wokeness der Erziehungsbeauftragten hinterfragt, aber dann doch den trotteligen steifen Lehrer Pöllisch nach und nach auftauen lässt.

Sehr fokussiert gibt Lohse Einblick in die Psyche eines Pubertierenden und singt gleichzeitig ein Loblied auf Liebe und Freundschaft.