Wenn der See Geheimnisse hütet

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azur.blau.liest Avatar

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Wir sterben auf den ersten Seiten mit Marceau Miller – aus seiner Ich-Perspektive, im freien Fall. Das ist ein mutiger Auftakt, der funktioniert, weil er so ruhig erzählt wird. Kein Geschrei, nur diese fast meditative Klarheit eines Menschen, der weiß, dass er gleich aufschlägt. Gänsehaut garantiert. Auch das Cover passt zu diesem ruhigen Auftakt: der ruhige See, die Berge.

Der Schreibstil von Marceau Miller (ja, Autor und Figur tragen denselben Namen – diese Meta-Ebene ist herrlich, aber auch etwas verwirrend) ist angenehm direkt, mit sinnlichen Details, die den Genfersee fast greifbar machen. Dampfender Tee, Kiessand am Ufer, das Salz der Erdnüsse auf der Schulter – ich war sofort dort.

Sarah als Erzählerin der Rahmenhandlung ist mir auf Anhieb sympathisch: warmherzig, aufmerksam, aber mit diesem leisen Unbehagen, das sie selbst kaum benennen kann. Dass sie spürt, wie wenig sie von Marceau wirklich kennt, macht sie zur idealen Begleiterin für das, was kommt. Ich will unbedingt wissen: Was steht in diesem letzten Manuskript? Das Buch wandert definitiv auf meine Leseliste.