Die Berserkerin

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
webervogel Avatar

Von

Ein unter dem Pseudonym Marceau Miller geschriebener Roman, der gleichzeitig „Das letzte Buch von Marceau Miller“ heißt (und es definitiv auch ist, denn Protagonist Marceau Miller stürzt bereits im Prolog in den Tod): Schon diese Ausgangskonstellation hat mich neugierig gemacht. Wer ist Marceau Miller?
Welcher, nach eigenen Angaben, „Schriftsteller und Drehbuchautor“ das Pseudonym benutzt, weiß ich auch nach der Lektüre nicht. Was zu Marceau Millers Tod geführt hat, wird gegen Ende des Romans aber schließlich enthüllt – in einem furiosen Finale, nachdem die Frau des Bestsellerautors wie eine Berserkerin durch die Kapitel gewütet ist. Sarah Miller ist die eigentliche Hauptfigur, eine Frau voller Schmerz, Wut und Unverständnis (Marceau ist während einer Free-Solo-Tour abgestürzt, obwohl er versprochen hatte, nicht mehr ungesichert zu klettern). Zu Beginn des Buches fühlte sich ihr Fühlen und Denken für mich irgendwie unstimmig an, doch das legte sich. Nachdem Marceaus Tod feststeht, ist Sarahs Welt komplett aus den Fugen und sie versucht, ohne Rücksicht auf Verluste, die Geheimnisse ihres verstorbenen Mannes aufzudecken. Und ohne Rücksicht auf ihre 10- und 12-jährigen Kinder, die nur eine Nebenrolle spielen. Für ihr Umfeld ist das äußerst anstrengend und für mich als Leserin war es mitunter auch strapaziös, wie Sarah sich immer wieder in Gefahrensituationen stürzt, ohne nachzudenken, vor Gesprächen davonläuft und das meiste mit sich selbst ausmacht. Sarah wütet und rast durch die beschauliche Landschaft rund um den Genfersee und ich war ganz froh, dass es ab und zu etwas Entspannung durch eine andere Perspektive und Kapitel des letzten Romans von Marceau Miller gab. Dass die Auflösung des Buches mich dann so überzeugt, hatte ich nicht mehr erwartet – sie wirkt nicht weit hergeholt, doch ich wäre nie im Leben von alleine darauf gekommen. Deswegen doch vier Sterne für Marceau Miller.