Psychogramm der Hinterbliebenen
"Meine Stützen brechen weg, im wahrsten Sinne des Wortes. Was immer mir ein Halt war, eine Orientierung, kippt um wie Dominosteine."
Sarah will es nicht glauben - ihr Mann Marceau, ein bekannter Krimiautor, ist tot. Beim Klettern ohne Seil abgestürzt. Ein Unfall. Davon geht zumindest die Polizei aus. Doch warum hat der Tote eine Wunde an der Stirn, wenn er doch abgestürzt ist? Und was hat es mit dem Manuskript auf sich, dass Sarah nach dem Tod von Marceau erhalten soll und von dem jede Spur fehlt? Während Polizei und Freunde an Sarahs Vermutung zweifeln, beginnt sie selbst zu ermitteln. Dabei kommt sie nicht nur dem Geheimnis ihres verstorbenen Mannes näher sondern glaubt, nach und nach den Verstand zu verlieren.
Was passiert mit den Angehörigen, wenn ein Familienmitglied stirbt? Wie viel Last können sie tragen? Was macht die Psyche mit und wo liegt die Grenze zum Wahnsinn? Mit seiner Hauptfigur Sarah in "Das letzte Buch von Marceau Miller" möchte der Verfasser diese Fragen ausloten. Daher ist der Großteil des Buches aus Sarahs Sicht verfasst. Die Figur wird zunehmend verzweifelter und greift zu immer drastischeren Mitteln. Ihre Gewaltbereitschaft habe ich nicht immer nachvollziehen können und auch insgesamt war mir die Figur oft unsympathisch. Letzteres bezieht sich nicht nur auf die Zeit nach Marceaus Tod. So beschreibt sie beispielsweise, dass sie kalkuliert, ob sie der konkurrierenden Nachbarin einen Krankenwagen rufen soll (damit diese in ihrer Schuld steht) oder ob sie sie lieber ihrem Schicksal überlassen soll, um eine Konkurrentin weniger zu haben. Abgesehen von dieser Episode macht die Distanz zu Sarah aber durchaus für die Geschichte Sinn. Denn Sarah entfernt sich zunehmend von dem, was man als "normal" bezeichnet. In ihren drastischen Handlungen spiegelt der Autor, wie Sarah zunehmend die Fäden entgleiten und das ist gut gelungen.
Der Cover des Buches macht neugierig, fehlt doch ein klarer Name des Verfassers. Auch der Klappentext suggeriert, dass es sich um das letzte Buch des Protagonisten des Romans handeln könnte. Tatsächlich wird auch gegen Ende des Romans angedeutet, dass das fiktive letzte Buch von Miller veröffentlich wird. Dieses Spiel mit der Metaebene hat mir gut gefallen (wenn es mich auch in den Fingern juckt, die "wahre" Identität des Verfassers zu recherchieren. Ein paar Anhaltspunkte, z.B. das Französische und den Namen der Agentin gibt es ja).
Aus diesen Referenzen, dem Aufbrechen der Wand zwischen Autor, Werk und Leser hätte man aber noch deutlich mehr machen können. Für meinen Geschmack wirkt es eher wie ein Rahmen, der den Verkauf des Buches unterstützen soll. Denn nachdem der (fiktive) Autor im Prolog selbst zu Wort kommt, gibt es erstmal lange keine Anspielungen mehr. Stattdessen entwickelt sich eine klassische (im positiven Sinne) Krimihandlung. Erst am Ende wird das Motiv des Buches im Buch wieder aufgegriffen. Hier wäre noch mehr drin gewesen. Fairer Weise muss man zugeben, dass es hier und da Anspielungen auf die Autorentätigkeit gibt. So liest man etwa, dass ab Seite 40 das Unglück seinen Lauf nimmt, was sich erstaunlich gut mit der Romanhandlung auf Seite 40 deckt. Eine tiefere Berücksichtigung der Meta-Ebene gibt es leider nicht. Das hat meine Erwartungen enttäuscht.
Insgesamt ist "Das letzte Buch von Marceau Miller" ein netter Krimi mit recht typischem Plot. Der ist in eine gute Idee verpackt, aus der man aber noch mehr hätte machen können. Positiv anzumerken ist aber, dass hier in einem eher starren Genre (dem Krimi) endlich auch mal literarisch experimentiert wird.
Sarah will es nicht glauben - ihr Mann Marceau, ein bekannter Krimiautor, ist tot. Beim Klettern ohne Seil abgestürzt. Ein Unfall. Davon geht zumindest die Polizei aus. Doch warum hat der Tote eine Wunde an der Stirn, wenn er doch abgestürzt ist? Und was hat es mit dem Manuskript auf sich, dass Sarah nach dem Tod von Marceau erhalten soll und von dem jede Spur fehlt? Während Polizei und Freunde an Sarahs Vermutung zweifeln, beginnt sie selbst zu ermitteln. Dabei kommt sie nicht nur dem Geheimnis ihres verstorbenen Mannes näher sondern glaubt, nach und nach den Verstand zu verlieren.
Was passiert mit den Angehörigen, wenn ein Familienmitglied stirbt? Wie viel Last können sie tragen? Was macht die Psyche mit und wo liegt die Grenze zum Wahnsinn? Mit seiner Hauptfigur Sarah in "Das letzte Buch von Marceau Miller" möchte der Verfasser diese Fragen ausloten. Daher ist der Großteil des Buches aus Sarahs Sicht verfasst. Die Figur wird zunehmend verzweifelter und greift zu immer drastischeren Mitteln. Ihre Gewaltbereitschaft habe ich nicht immer nachvollziehen können und auch insgesamt war mir die Figur oft unsympathisch. Letzteres bezieht sich nicht nur auf die Zeit nach Marceaus Tod. So beschreibt sie beispielsweise, dass sie kalkuliert, ob sie der konkurrierenden Nachbarin einen Krankenwagen rufen soll (damit diese in ihrer Schuld steht) oder ob sie sie lieber ihrem Schicksal überlassen soll, um eine Konkurrentin weniger zu haben. Abgesehen von dieser Episode macht die Distanz zu Sarah aber durchaus für die Geschichte Sinn. Denn Sarah entfernt sich zunehmend von dem, was man als "normal" bezeichnet. In ihren drastischen Handlungen spiegelt der Autor, wie Sarah zunehmend die Fäden entgleiten und das ist gut gelungen.
Der Cover des Buches macht neugierig, fehlt doch ein klarer Name des Verfassers. Auch der Klappentext suggeriert, dass es sich um das letzte Buch des Protagonisten des Romans handeln könnte. Tatsächlich wird auch gegen Ende des Romans angedeutet, dass das fiktive letzte Buch von Miller veröffentlich wird. Dieses Spiel mit der Metaebene hat mir gut gefallen (wenn es mich auch in den Fingern juckt, die "wahre" Identität des Verfassers zu recherchieren. Ein paar Anhaltspunkte, z.B. das Französische und den Namen der Agentin gibt es ja).
Aus diesen Referenzen, dem Aufbrechen der Wand zwischen Autor, Werk und Leser hätte man aber noch deutlich mehr machen können. Für meinen Geschmack wirkt es eher wie ein Rahmen, der den Verkauf des Buches unterstützen soll. Denn nachdem der (fiktive) Autor im Prolog selbst zu Wort kommt, gibt es erstmal lange keine Anspielungen mehr. Stattdessen entwickelt sich eine klassische (im positiven Sinne) Krimihandlung. Erst am Ende wird das Motiv des Buches im Buch wieder aufgegriffen. Hier wäre noch mehr drin gewesen. Fairer Weise muss man zugeben, dass es hier und da Anspielungen auf die Autorentätigkeit gibt. So liest man etwa, dass ab Seite 40 das Unglück seinen Lauf nimmt, was sich erstaunlich gut mit der Romanhandlung auf Seite 40 deckt. Eine tiefere Berücksichtigung der Meta-Ebene gibt es leider nicht. Das hat meine Erwartungen enttäuscht.
Insgesamt ist "Das letzte Buch von Marceau Miller" ein netter Krimi mit recht typischem Plot. Der ist in eine gute Idee verpackt, aus der man aber noch mehr hätte machen können. Positiv anzumerken ist aber, dass hier in einem eher starren Genre (dem Krimi) endlich auch mal literarisch experimentiert wird.