Sehr empfehlenswert!

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söphken Avatar

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Manchmal merkt man schon nach wenigen Seiten, dass ein Buch einen nicht mehr loslassen wird. Genau so ging es mir mit „Das letzte Buch“ von Marceau Miller. Was mich neben der spannenden Geschichte besonders beeindruckt hat, ist die Figur der Sarah. Sie ist keine klassische Heldin, keine laute Kämpferin, sondern eine Frau, die sich nicht abspeisen lässt. Während ihr Umfeld und auch die Polizei schnell bereit sind, einfache Erklärungen zu akzeptieren, bleibt sie hartnäckig. Sie vertraut ihrem Gefühl, auch wenn sie damit ziemlich allein dasteht.

Gerade das macht sie für mich so stark. Sie zweifelt, sie trauert, sie ist verletzlich und gleichzeitig unglaublich entschlossen. Sie lässt sich nicht einreden, dass alles geklärt ist, nur weil es bequemer wäre. Stattdessen beginnt sie, selbst nach Antworten zu suchen, und stellt dabei nicht nur andere, sondern auch sich selbst infrage.

Die Geschichte entwickelt sich ruhig, fast unauffällig, doch mit Marceaus Verschwinden wächst die Spannung stetig. Als sein Tod schließlich Gewissheit wird, überschlagen sich die Ereignisse jedoch nicht, sondern entfalten sich auf eine stille, intensive Weise. Genau darin liegt für mich die Stärke des Buches. Es geht weniger um Action als um das, was darunter liegt. Beziehungen, Vertrauen, Schuld und die Frage, wie gut man einen Menschen wirklich kennt.

Sarah trägt diese Geschichte. Durch sie bekommt alles Tiefe und Gewicht. Ihre Perspektive macht den Roman zu mehr als einem Krimi, eher zu einer psychologischen Erzählung über Wahrnehmung, Wahrheit und Selbstbehauptung. Das Ende hat mich ehrlich überrascht und noch lange beschäftigt. Für mich ist dieses Buch ein echtes Highlight, vor allem wegen dieser beeindruckenden, vielschichtigen Frauenfigur.