Spannend, überzeugt mich dennoch nicht vollends

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beaswissgirl Avatar

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Mein Leseeindruck, subjektiv, aber spoilerfrei ;)

Der Klappentext klingt vielversprechend und erinnerte mich ein bisschen an den Stil von Joel Dicker, weshalb das Buch bei mir einziehen durfte. Mysteriös auch, dass der im Titel vorkommende Namen gleichzeitig der Autor ist.....

Der Schreibstil an sich lässt sich grundsätzlich flüssig lesen. Jedoch störte ich mich immer wieder an den vielen lyrisch, metaphorischen angehauchten Sätzen. Sie wirkten auf mich zu gewollt, ja irgendwie fast schon albern, vor allem für das Genre Spannungsroman. Erzählt wird übrigens grösstenteils aus der Sicht von Sarah in der ICH- Form oder ihrer Freundin Karen, aber weniger häufig. Dazwischen gibt es noch Ausschnitte aus dem Manuskript von Marceau in kursiver Schrift. Klingt kompliziert? Ist es allerdings nicht, da alles immer ganz klar am Anfang des Kapitels deklariert wird.

Wir lesen also immer in der ICH- Perspektive, trotzdem konnte ich keine Bindung zu den Protagonisten aufbauen. Ja ich muss sogar gestehen, dass mir eigentlich keine einzige Person sympathisch war. Vor allem Sarah die Ehefrau von Marceau Miller aus deren Blickwinkel wir als Leser das Meiste erleben, verhielt sich meiner Meinung nach in einigen Situationen völlig unglaubwürdig. Oft hatte ich das Gefühl ich habe hier eine wildrauflos stürmende, aggressive Action- Agentin vor mir. Natürlich hat sie x Fragen, fühlt sich sicher machtlos, trotzdem ist sie doch nicht "nur" trauernde Ehefrau sondern auch noch Mutter von zwei minderjährigen Kindern und sollte entsprechend etwas häufiger ihr Gehirn einschalten. Ich wurde also leider überhaupt nicht warm mit ihr, auch Alexis und Rollin ihre Freunde aus Jugendtagen waren mir gleichgültig, ebenso Karen. Alle wirkten auf mich insgesamt in der Darstellung blass und künstlich. Am nettesten fand ich noch Yves Reynaud ein langjähriger, loyaler Freund der Familie und pensionierter Gendarm.
Meistens kann ich eigentlich über die Charakter- Ausarbeitung in diesem Genre hinwegsehen, wenn der Plot und die Spannung stimmt. Hier hat es mich jedoch schon oft genervt.

Kommen wir also unter anderem zur Idee, die fand ich prinzipiell echt gut. Der ganze Aufbau der Geschichte ist toll, gerade der Einstieg mit dem Prolog und die Ausschnitte des Manuskripts, in dem wir auch in die Vergangenheit abtauchen, sehr geschickt gemacht. Durch diese Erzählstruktur bin ich wirklich durch die Seiten gerast und verspürte definitiv dieses Pageturner Feeling. Der Autor spannt uns mit der endgültigen Auslösung auch bis zum bitteren Ende auf die Folter. Dazwischen gibt es allerdings die ein oder andere Erklärung und oder Wendung, die für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu überkonstruiert und dramatisch war.

Insgesamt ein unterhaltsamer, kurzweiliger, spannender " Thriller" ( wird als Roman betitelt) für Zwischendurch, der mir allerdings nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

3,5 Sterne