Humorvoll

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wolfram Avatar

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Der Schreibstil ist herrlich unaufgeregt. Die Anfänge seines neuen Lebens werden neutral von außen beschrieben. Wir folgen Saids Anfängen in Heidelberg wie mit einem Teleskop aus der Ferne. Keine Emotionen, sehr sachlich. Dennoch nicht gefühllos, wenn der Leser sich in die Schwierigkeiten einer Flucht hineinversetzen kann: Fast verhaftet worden, mit einem Stapel Geschichten und Gedichte im Gepäck durch die Flughafenkontrolle (ohne zu wissen, ob ein "verbotenes" Buch dabei ist), Aushilfsjob jeglicher Art, um während des Studiums nicht zu verhungern - und schließlich der herrische Vater, der verlangt, dass Said nach Hause kommt und seine Cousine heiratet (oder eine andere, väterlicherseits ausgesuchte Frau).
Said nimmt sein Leben aber mit Humor - und uns als Lesende gleich mit. So abstrus seine Jobs auch sind (Simultanübersetzungen für reiche, korrupte Industrielle und Prinzen) für zehntausend Mark im Monat, so arg die Vorurteile gegen die arabische Kultur, er bleibt gelassen und arbeitet an seiner schriftstellerischen Karriere.
Rafik Schami überlässt auf eine herrlich lockere Weise dem Leser, die Emotionen zuzulassfen und in die Geschichte einzutauchen, ohne zu viel oder reißerisch zu lenken.