Ungewohnt, spannend, hinterlässt mich unentschlossen.

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aerdna Avatar

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Ich bin wirklich sehr gespannt auf Nadim Suris Geschichte der Frauen seines Lebens.
Die Leseprobe umfasst lediglich die Hinführung, sodass die Spannung steigt und es mir bis hierher schwerfällt, mir eine Meinung zu bilden.
Die Idee hinter dem Buch, eine Hommage an die Kraft der Frauen, finde ich an sich sehr ansprechend und berührend.
Der Schreibstil ist noch unvertraut, weniger westlich geprägt, als ich es gewohnt bin. Langsamer, unmittelbarer, verbindlicher, aber auch gefühlt weniger frei. Zudem sind es Erzählungen aus einer anderen Lebenswelt; aus der Perspektive sehr reicher Gäste und Immigranten. Angesiedelt vornehmlich in den Siebziger- und Achtzigerjahren in einer sehr komplexen Politik.
Das Zitat zu Beginn, dass zwar der Mann die Welt bildet und erzieht, doch die Frau den Mann erziehe, die Frau des Ministers, die im Krankenhaus lauthals schreiend für Furore sorgt, weil sie nicht von einem ungläubigen männlichen Pfleger berührt werden will, oder das Geschirr mit Schweinefleisch in Berührung gewesen sein könnte, für die dann flugs Partygeschirr und drei muslimische Pflegerinnen zur persönlichen Verfügung abkommandiert werden, sehr reiche Menschen, die sich intellektuelle Gesellschafter kaufen und mittels Korruption und Standesdünkel ganze Stationen und Unternehmen in Beschlag nehmen, für die ganze Systeme ins Rotieren gebracht werden, Hauptsache, es bringt Profit oder vermeidet Repressalien, Menschen, denen man erst erklären muss, dass die arbeitenden Menschen hier respektiert werden - das wirkt befremdlich aus meiner heutigen freiheitlichen, gleichberechtigten, demokratischen Sicht, die sich aktuell im Umbruch befindet.
Klar, verschwunden ist all das keineswegs, im Gegenteil lebt es heute bedauerlicherweise immer noch drastisch wieder auf, gibt es diese Menschen und Parteien, die alle Errungenschaften der letzten Jahrzehnte allzu gerne tilgen würden; doch glücklicherweise habe ich in meiner Lebenswelt noch eher wenig und zunehmend weniger Kontakt damit und würde das durchaus gerne weiter ausbauen, nicht bestärken.
Ich habe also noch kein klares Gefühl zum Mosaik der Frauen.
Oben genanntes Zitat empfinde ich als sehr unglücklich gewählt und so stellt sich mir die Frage, welchen Wert hat ein solches Buch für meine Kultur?
Was will es mir erzählen?
Bringt es mir mehr Freiheit oder will es mir ein Stück davon nehmen?
Möglicherweise steht das vermittelte Frauenbild, die der Frau zugedachte Rolle, meinem am Ende diametral entgegen. Ich bin neugierig.