Aber davon später

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robertp Avatar

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Said Mardini kommt im Jahr 1971 aus Beirut in Deutschland an. Er flüchtet aus einer Diktatur, die ihm, dem Dichter, die Freude am Leben genommen hatte. Hier wird er studieren, Dolmetscher werden und heiraten. Einer seiner Studienkollegen, Klaus Rosenbaum, wird Arzt und vermittelt ihm Arbeit als Begleiter für reiche arabische Patienten. Dabei lernt er auch Nadim Suri kennen. Dieser erzählt ihm seine Vergangenheit und von seinen Lieben, die zusammen die Bausteine für das Mosaik seines Lebens und der Seele ergeben. In seinen Geschichten kommt er nicht selten vom hundertsten ins tausendste und muss „davon später“ wieder zum Kern seiner Erzählung zurückkehren.
Nadim kommt in Damaskus zur Welt, damals eine offene Gesellschaft, in der sich die verschiedenen Religionen noch miteinander vertragen. Dies ändert sich rasch und Nadim muss seinen Tod vortäuschen und nach Deutschland flüchten, wo er sich eine Existenz als Dolmetscher aufbaut und wohlhabend wird. Auf seinem Weg trifft er auf Frauen, die ihn nachhaltig prägen und sein Leben beeinflussen. All diese Geschichten erzählt er Said während er im Krankenhaus seinem Tod nahe ist.
Ist das ein biografischer Roman? In seinen Grundzügen schon, sind doch beide Erzähler nach Deutschland geflüchtet und haben hier ihr Lebensglück gefunden. Schami erzählt bestürzend und eindringlich von der Situation in den arabischen Ländern, wie sie ihre Freizügigkeit gegenüber dem Fremden auch den Religionen mit der Zeit immer mehr beschneiden. Sich selbst einengen, sich Tyrannen als Regierende heranzüchten und letztlich daran scheitern diese Konflikte in Kriegen zu lösen.
Die Liebe spielt eine große Rolle im Roman. Zunächst die Mutter, die als Deutsche in Damaskus lebt und ein Beispiel für Integration ist, aber auch an Toleranz gegenüber Kleingeistigkeit und Dummheit. Sie wird ihr neues Heimatland nicht mehr verlassen, regelt aber für den in der Diaspora bleibenden Sohn ihr Vermächtnis. Dieser Tod führt zum Zusammenbruch Nadims und zu schweren Herzrhythmusstörungen, die sein Leben bestimmen werden. In zehn Tagen berichtet er, jeweils einer Frau gewidmet, von den Stationen seines Lebens. Von Glück und Verlust, von Freud und Leid in seinen Beziehungen, von seinen politischen Entscheidungen und dem Glück, das er gehabt hat.
Für alle die über die Situation im Nahen Osten aus der Sicht eines, in den 70igern, Geflüchteten erfahren wollen. Die Geschichten vermitteln Nähe und verstärken den Glauben an ein glückliches Zusammensein, sowohl von Mann und Frau als auch den verschiedenen Völkern im arabischen Raum.