Das Gesamtbild zählt …

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steffi.wr Avatar

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… wie bei einem Mosaik eben auch.


„Das Mosaik der Frauen“ ist ein bewegender Roman, der zeigt, wie sehr der persönliche Lebensweg durch die Menschen, mit denen man sich umgibt, aber auch durch die Kultur und die Gesellschaft an sich geprägt werden.

Am Anfang beginnt der Roman sehr nüchtern, fast dokumentarisch. Der schon teilweise sachlich-objektive Sprachduktus haben mich zu Beginn bei einem Autor, den ich für seine sprachlichen Bilder schätze, irritiert. Doch erzählerisch macht das Sinn: Es wird die Figur eingeführt, um die es eigentlich nicht geht, ein Autor namens Said Mardini, der im Verlauf des Buches nur der aktive Zuhörer und eben nicht ein Erzähler im Stile von Schami ist. Der eigentliche Erzähler ist Nadim Suri, der seine Lebensgeschichte erzählt. Dabei wird die Mosaiktechnik (verschiedene Frauen prägten Nadim und fügten seinem Leben ein Mosaiksteinchen hinzu) nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell ganz im Sinne von orientalischen Erzählkultur umgesetzt: Geschichten werden in Geschichten verpackt, Anekdoten erzählt, man schweift ab. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch interessant, wenn es um Politik und Gesellschaft geht.

Manche Figuren aus den Geschichten sind bekannt (Onkel Salim), manche Geschichten auch (Junge darf nicht mehr ins Hamam), wenn man die Werke des Autors kennt - ich finde das nicht schlimm, ich mag es, „alten Bekannten“ zu begegnen.

Doch ich muss zugeben: Mir fehlt insgesamt der sonst so blumige Stil von Schami. Einige sprachliche Bilder, für die ich ihn eigentlich bewundere, wirken irgendwie zu konstruiert.

Wenn man die Biographie des Autors etwas kennt, findet sie sich darin - ob gewollt oder nicht - manchmal in Ansätzen wieder. Aber Themen wie das Leben in Syrien, Flucht, Exil etc. haben ja viele seiner Romane. Auch weitere Themen, die immer wieder in Schamis Werken vorkommen, wie Liebe, Verlust, Politik und Gesellschaft, das Positive aus dem scheinbar Negativen zu ziehen, Freundschaft, Wunsch nach Freiheit, das Miteinander von Religionen etc. finden sich hier wieder.

Das Cover wundervoll! Aber auch wenn die Frauen teils starke Figuren und toll gezeichnete Charaktere im Buch sind, stört mich die Doppeldeutigkeit des Titels: Denn auch wenn inhaltlich klar wird, dass die Frauen Nadim im übertragenen und positiven Sinne Mosaiksteinchen hinzufügen, kann man den Titel auch so verstehen, dass jede Frau ein gesammeltes Mosaiksteinchen im Leben dieses Mannes war. Was durchaus auch den Inhalt entspricht, aber dem Titel und der Rolle der Frauen seinen Zauber nimmt.

Ich finde, man kann aus Schamis Büchern immer viel mitnehmen: Dass es ein Geschenk ist, in Freiheit leben zu können, seine Meinung äußern zu können, glauben und wählen zu dürfen, was man will. Dass man seine Mitmenschen respektieren muss und soll, egal wer sie sind, welchen Beruf sie ausüben oder welcher Religion sie angehören: Wir alle sind gleich. Und hier im Speziellen: Dass jede Begegnung im Leben wertvoll sein kann, da sie eine Bereicherung für unsere Persönlichkeit darstellt. Die Menschen, mit denen wir uns einlassen, formen bewusst und unbewusst unseren Charakter und unsere Persönlichkeit. Hier sind es in der Hauptsache die Frauen und das ist schön. Letztendlich ist das Geschlecht jedoch egal, denn auch, wenn es im Buch nicht direkt ausgesprochen wird: Auch die Männer prägten den Protagonisten, etwa der Vater, der seine Frau achtete.

Also auch, wenn ich den blumigen Stil liebe und hier vermisse, ist es ein tolles Buch und absolut lesenswert.