Ein kunstvolles Buch aus Sehnsucht und Schmerz

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​Rafik Schamis Familiensaga "Das Mosaik der Frauen" ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die Kunst des Erzählens und ein tiefgreifendes Porträt der syrischen Gesellschaft vor den großen Umbrüchen.

​Das Cover ist bereits der erste Hinweis auf die Struktur des Romans. Die oft verwendeten orientalischen Muster und Farben spiegeln das titelgebende „Mosaik“ wider. Es wirkt einladend und verheißt eine Wärme, die sich im Text bestätigt. Für mich ist die Gestaltung sehr gelungen, da sie die Fragmentierung der Erzählung, viele kleine Steinchen, die erst am Ende ein großes Bild ergeben, visuell vorwegnimmt.

​Schami beweist in diesem Roman, warum er als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Geschichtenerzähler gilt. Die Geschichte ist mit den Lebenswegen verschiedener Frauen verwoben. Der Schreibstil ist das Herzstück des Buches: Bildhaft, rhythmisch und zutiefst empathisch. Er nutzt die Tradition der mündlichen Erzählkunst, was den Text flüssig und beinahe hypnotisch macht.

​Besonders beeindruckt haben mich die Figuren. Schami zeichnet hier ein eindringliches Bild davon, wie sich das Leben von Geflüchteten anfühlt. Er gibt Einblicke in die enorme Stärke, die sie aufbringen müssen, gerade wenn es um den Verlust geliebter Menschen geht.
​Es ist bewegend zu lesen, wie die Protagonisten mit der Trauer um Partner oder Eltern umgehen müssen, während sie in der Fremde oft keine Möglichkeit haben, diesen Schmerz zu teilen oder offen zu zeigen. Diese Einsamkeit der Trauer und das Gefühl, seine Gefühle verbergen zu müssen, hat mich beim Lesen sehr berührt. Wie diese Menschen mit unsichtbaren Narben, trotz schwerer Verluste versuchen, ihren Alltag zu bestreiten.

​Für mich ist das Buch deshalb so interessant, weil es eine Brücke zwischen den Kulturen schlägt. Schami, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, schreibt auf Deutsch, behält aber die Seele der arabischen Erzähltradition bei. Er gibt dem Leser einen Einblick in eine Welt jenseits der Nachrichtenschlagzeilen, eine Welt voller Poesie, komplexer Familienstrukturen und historischer Tiefe.

​"Das Mosaik der Frauen" ist ein farbenfroher Roman, der zum Nachdenken und Handeln einlädt. Ich wünschte, unsere Politik würde dieses Buch lesen, das voller Weisheit und Menschlichkeit über das schwere Leben auf der Flucht und die Heimatlosigkeit erzählt.

Ich empfehle dieses Buch allen, die gerne in fremde Welten abtauchen und Geschichten lieben, die sich Zeit für ihre Charaktere nehmen. Wer die Werke von Khaled Hosseini oder Isabel Allende mag, wird auch hier ein literarisches Zuhause finden. Dieses Buch ist ein Muss für Liebhaber anspruchsvoller, generationenübergreifender Literatur mit Tiefgang.