Frauen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bookworld91 Avatar

Von

Ein geflüchteter Student, der später Bücher schreibt und übersetzt. Ein alter Mann, der sein Leben verschriftlicht haben möchte. Und eine Vielzahl Frauen. So lässt sich die Ausgangslage in „Das Mosaik der Frauen“ zusammenfassen.

Said Mardini flüchtet aus Damaskus nach Deutschland, wo er Literatur studiert. Während seines Studiums hält er sich mit Nebenjobs über Wasser, zum Beispiel Simultanübersetzung und den Schreiben seiner Bücher. Ein Nebenjob ist es, die Lebensgeschichte des kranken Nadim Suri aus Syrien aufzuschreiben- im Mittelpunkt die Frauen, die ihn beeinflusst haben…

Ich finde die Idee einer Geschichte in einer Geschichte sehr spannend. Hier geht es für gewöhnlich um die Authentizität des Erzählers und wie er mit Lücken umgeht, die in der ursprünglichen Geschichte entstehen. Daher war ich von Anfang an neugierig, wie Said die Geschichte erzählt.

Und das war mehr als authentisch, denn er geht auf Zeitsprünge von Nadim („Ich schweife ab“) genauso ein wie auf unmoralische Taten, die ihn in Schwierigkeiten bringen können. Sowohl Nadim als auch Said berichten von Verfolgung, Flucht und Manipulation, was ihnen große Probleme im Heimatland bereitet.

Das wichtigste Thema sind jedoch die Frauen. Ich bewundere Nadim dafür, wie er seinen Umgang mit Frauen reflektiert. Wie er erkennt, dass diese ihn geformt haben- sowohl seine Mutter als auch seine Frau.

Was mir jedoch nicht gefällt ist, wie selbstverständlich Nadim die Frauen früher angesehen hat. Auch Said nahm die Frauen früher als gegeben, als fester Teil seines Lebens, selbst wenn er durch sie überlebte. Hier hätte ich mir einen kritischeren Umgang mit dem fernöstlichen Frauenbild gewünscht. Etwa, dass klar ausgedrückt wurden wäre- daheim war das normal und die Anpassung fiel sehr schwer oder ähnliches. Denn das die Anpassung später geschah, zeigt Nadims Reflexion und sein Wunsch nach einer Biografie.

Hinzukommt, dass der häufige Wechsel der Frauen sowie das Abschweifen von Nadim dazu führen, dass der Zusammenhang zwischen den einzelnen Episoden teils fehlt. Insgesamt lassen sich die Episoden angenehm lesen, allerdings wären Elemente zur Verbindung besser gewesen.

Insgesamt ist der Roman aus meiner Sicht gelungen, auch wenn ich mir mehr Hinweise auf Reflexion beziehungsweise Einsicht des Fehlverhaltens sowie eine Verbindung der Elemente gewünscht hätte. So gebe ich den Roman vier Sterne.