Mosaik ohne Tiefe
Wirrwarr aus Lebensgeschichten, Kalenderweisheiten und vermeintlich lustigen Anekdoten - orientalische Erzähltradition?
Ich bin schockiert und wahrscheinlich auch einige, die meine Beurteilung lesen werden, ist doch Rafik Schami ein anerkannter Erzähler und Autor vieler Bücher. Aber leider kann ich dem bisher ausgesprochenen Lob nicht folgen und frage mich, ob es vielleicht der Prominentenbonus ist.
Dabei ist das Buchcover gestalterisch eine Augenweide und passend zum Titel ‘Das Mosaik der Frauen’. Doch leider blieb das Mosaik für mich ziemlich farblos und im Folgenden werde ich die Gründe dafür aufzählen.
Zuerst erfahren wir in geraffter Erzählweise die Lebensgeschichte des Said Mardini, der aus Syrien geflohen ist. Erst auf S. 42 beginnt die eigentliche Geschichte, in der der ebenfalls aus Syrien stammende schwer herzkranke Nadim Suri ihm in zehn Tagen sein Leben erzählt: von seiner deutsch-jüdischen Mutter, der ersten Liebe, seiner Flucht nach Deutschland aus politischen Gründen, und den vielen Frauen, die sein Leben und seine Ansichten prägten.
Das alleine wäre schon zu viel, aber nicht genug: es werden ständig Lebensgeschichten von Personen erzählt, an die sich Nadim zufällig erinnert, dazwischen politische Zustandsberichte und das, was ich ‘Anekdötchen’ nennen möchte, kleine Geschichten, die lustig sein sollen, aber es für mich nicht sind. Ist das zum Auffüllen des Buches gedacht oder orientalische mündliche Erzähltradition?
Für einen schriftlich niedergelegten Roman halte ich das allerdings für nicht mehr zeitgemäß, zumal sich der Autor seiner Erzählweise selber bewusst ist. Wie oft habe ich den Satz so oder so ähnlich gelesen: ‘Doch ich bin wieder abgeschweift’ / Doch zurück zu …’ Für mich waren diese Textbrocken Fremdkörper, die den Erzählfluss hemmten und nichts zur Geschichte beitrugen. Eingestreut sind zudem Lebensweisheiten, Kalendersprüche, von denen man auch ohne den Einfluss von Frauen viele kennt.
Der Stil ist simpel und schlicht. Was mich aber sehr gestört hat, ist der ständige Gebrauch des Wortes ‘schön’. Das würde jeder Lehrer für Kreatives Schreiben vernichtend beurteilen, denn es ist ein blasses Wort ohne Inhalt, eine inhaltsleere Schablone, rein subjektiv und macht damit auch die Personen blass, denen es zugeordnet wird: ein schöner Mann, ein schönes Gesicht etc.
Fazit
Auch wenn ich es gut fand, welchen warmherzigen Respekt der Ich-Erzähler den Frauen im Allgemeinen und auch im Besonderen entgegen brachte, hat mich das leider trotzdem nicht von der Geschichte überzeugen können, zu zersplittert wird erzählt. Aus so manchem Kapitel hätte man einen eigenen Roman machen können.
Ich war froh, das Buch zuklappen zu können und kann es leider nicht empfehlen.
Ich bin schockiert und wahrscheinlich auch einige, die meine Beurteilung lesen werden, ist doch Rafik Schami ein anerkannter Erzähler und Autor vieler Bücher. Aber leider kann ich dem bisher ausgesprochenen Lob nicht folgen und frage mich, ob es vielleicht der Prominentenbonus ist.
Dabei ist das Buchcover gestalterisch eine Augenweide und passend zum Titel ‘Das Mosaik der Frauen’. Doch leider blieb das Mosaik für mich ziemlich farblos und im Folgenden werde ich die Gründe dafür aufzählen.
Zuerst erfahren wir in geraffter Erzählweise die Lebensgeschichte des Said Mardini, der aus Syrien geflohen ist. Erst auf S. 42 beginnt die eigentliche Geschichte, in der der ebenfalls aus Syrien stammende schwer herzkranke Nadim Suri ihm in zehn Tagen sein Leben erzählt: von seiner deutsch-jüdischen Mutter, der ersten Liebe, seiner Flucht nach Deutschland aus politischen Gründen, und den vielen Frauen, die sein Leben und seine Ansichten prägten.
Das alleine wäre schon zu viel, aber nicht genug: es werden ständig Lebensgeschichten von Personen erzählt, an die sich Nadim zufällig erinnert, dazwischen politische Zustandsberichte und das, was ich ‘Anekdötchen’ nennen möchte, kleine Geschichten, die lustig sein sollen, aber es für mich nicht sind. Ist das zum Auffüllen des Buches gedacht oder orientalische mündliche Erzähltradition?
Für einen schriftlich niedergelegten Roman halte ich das allerdings für nicht mehr zeitgemäß, zumal sich der Autor seiner Erzählweise selber bewusst ist. Wie oft habe ich den Satz so oder so ähnlich gelesen: ‘Doch ich bin wieder abgeschweift’ / Doch zurück zu …’ Für mich waren diese Textbrocken Fremdkörper, die den Erzählfluss hemmten und nichts zur Geschichte beitrugen. Eingestreut sind zudem Lebensweisheiten, Kalendersprüche, von denen man auch ohne den Einfluss von Frauen viele kennt.
Der Stil ist simpel und schlicht. Was mich aber sehr gestört hat, ist der ständige Gebrauch des Wortes ‘schön’. Das würde jeder Lehrer für Kreatives Schreiben vernichtend beurteilen, denn es ist ein blasses Wort ohne Inhalt, eine inhaltsleere Schablone, rein subjektiv und macht damit auch die Personen blass, denen es zugeordnet wird: ein schöner Mann, ein schönes Gesicht etc.
Fazit
Auch wenn ich es gut fand, welchen warmherzigen Respekt der Ich-Erzähler den Frauen im Allgemeinen und auch im Besonderen entgegen brachte, hat mich das leider trotzdem nicht von der Geschichte überzeugen können, zu zersplittert wird erzählt. Aus so manchem Kapitel hätte man einen eigenen Roman machen können.
Ich war froh, das Buch zuklappen zu können und kann es leider nicht empfehlen.