Schlecht umgesetzte Hommage an die Frauen

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hilou Avatar

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Zum Inhalt:
Der in den 70ern geflüchtete Syrer Said Mardini arbeitet mittlerweile als Dolmetscher und Übersetzer in Mannheim und veröffentlicht nebenbei arabischsprachige Literatur. Eines Tages bittet ihn sein alter Freund Klaus, der ein angesehenes Krankenhaus leitet, sich um einen speziellen Patienten zu kümmern. Es handelt sich um einen schwerkranken Deutsch-Syrer namens Nadim Suri, der ebenfalls seinerzeit aus Syrien geflohen ist und Said persönlich kennenlernen möchte. Die beiden Männer treffen eine Abmachung. Nadim erzählt jeden Tag ein wenig über sein Leben. Ein Leben, das geprägt ist von Schicksalsschlägen, Veränderungen, vor allen Dingen aber von verschiedenen Frauen...

Meine Leseerfahrung:
Als großer Fan von Schamis Erzählkunst lese ich mittlerweile fast jedes Buch, was erscheint. Als Leser/in kann man sich sehr gut dabei entspannen und sich in viele verschiedene Erzählungen innerhalb von Erzählungen entführen lassen. Das ist nämlich das Besondere, was diesen Autor so ausmacht: Geschichten in Geschichten in Geschichten... Er ist der König der Abschweifungen, wenn man es so nennen möchte. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache, manch einer möchte wahrscheinlich lieber eine geradeaus erzählte Story mit einem klaren roten Faden haben. Dann ist man bei Schami aber an der falschen Adresse.

Auch wenn ich seine Erzählstruktur sehr genieße, war ich bei "Das Mosaik der Frauen" doch ziemlich abgelenkt und öfter in meinem Lesefluss gestört, als mir lieb war. Dabei hat das Buch deutlich weniger Seiten als seine Vorgänger und dürfte schnell gelesen sein. Ich musste jedoch einige Male abbrechen und neu starten. Sehr unüblich für mich! Es liegt aber nicht nur an den zahlreichen Abschweifungen, sondern vor allem daran, dass mir die Frauen hier viel zu wenig die Hauptrolle spielen. Es soll ein Buch über die Frauen sein, eine Hommage oder sogar eine Ode an das weibliche Geschlecht. Doch der Erzähler hakt hier eine Liebesbeziehung nach der anderen ab - er scheint ja auch sonst kein Kind von Traurigkeit gewesen zu sein - und schildert, was er angeblich mit jeder Frau in seinem Leben dazugelernt hat. Jede Frau leuchtet hier kurz auf und übergibt die Bühne mit jedem neuen Kapitel an die Nächste. Selbst die eigene Mutter und die ach so geliebte und verstorbene Ehefrau kommen mE dermaßen zu kurz, dass man kaum eine Verbindung zu ihnen aufbauen oder mit Nadims Verlust mitfühlen könnte.

Im Großen und Ganzen habe ich mich als Frau an keiner Stelle angesprochen gefühlt. Vielmehr liest sich das Buch wie eine unterschwellige Anleitung für arabischstämmige Männer, wie sie Frauen zu behandeln haben. Was für uns als selbstverständlich wahrgenommen wird, scheint für arabische Sippen und Traditionen auch in der heutigen Zeit nicht zu gelten. Das mag ja für die arabische Kultur ein wichtiges Anliegen sein, mit solchen Büchern für Erneuerungen in den Köpfen zu kämpfen. Mich persönlich hat es stellenweise ermüdet, verärgert und auch gelangweilt. Wer hier ein feministisches Werk mit Empowerment-Elementen sucht, wird sicherlich enttäuscht sein.

Da ich die Literatur von Schami anders kenne und mehr Tiefgang von ihm gewohnt bin, kann ich dieses Buch nicht unbedingt empfehlen, weil es mE zu seinen Schwächeren gehört. Und da gibt es kaum welche...

Fazit:
"Das Mosaik der Frauen" schwächelt leider an völlig irrelevanten Abschweifungen, zu oberflächlichen Charakteren und einer Message, die auf dem Weg verloren geht. Ein Mosaik, das sich einfach nicht zusammensetzen lässt.