Vom hufklopfenden Wunderpferd zum modernen Rechenmodell

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Der Titel hat sofort meine Neugier geweckt, und der Gedankengang dahinter trifft für mich einen echten Nerv. Als jemand, der sich schon seit Jahrzehnten intensiv und begeistert mit dem Thema künstliche Intelligenz beschäftigt, beobachte ich den aktuellen Trubel mit ziemlich gemischten Gefühlen: Was heute überall lautstark als denkende KI gefeiert wird, hat mit echter Intelligenz im Grunde nichts zu tun, sondern beruht letztlich auf clever programmierten Algorithmen und mathematischer Mustererkennung.

Genau deshalb finde ich den Ansatz von Reto U. Schneider so ungemein reizvoll. Die Parallele zwischen modernen Sprachmodellen und dem historischen Phänomen des Klugen Hans zieht sofort: Damals ließ sich die versammelte Gelehrtenwelt von einem klopfenden Huf täuschen, weil der Mensch so furchtbar gerne an Wunder und Verstand glauben will, wo in Wahrheit nur unbewusste Signale und Reaktionen ablaufen. Dass der Autor diese historische Episode nicht als verstaubte Fußnote abhandelt, sondern als warnenden Spiegel für unsere heutige Technik-Euphorie nutzt, hat enormen Charme.

Der Tonfall gefällt mir dabei richtig gut – das liest sich angenehm leichtfüßig, pointiert und ohne jede akademische Trockenheit, verliert dabei aber nie die nötige wissenschaftliche Skepsis. Ich erwarte von dem Buch einen erhellenden, herrlich entlarvenden Streifzug durch die menschliche Leichtgläubigkeit, der den aktuellen KI-Hype auf sehr elegante Art vom Sockel holt. Nach diesem ersten Eindruck habe ich richtig Lust, mich darin festzulesen!