KI-Geschichte mit Längen

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Als roter Faden dient die historische Begebenheit um den Hengst „Der kluge Hans“, der Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit für Staunen sorgte, weil er angeblich rechnen und lesen konnte. Erst Forscher wie Oskar Pfungst deckten auf: Das Tier reagierte auf unbewusste Mimik und Gesten der Menschen. Von dieser psychologischen Experimentalforschung und Tierversuchen spannt Schneider den Bogen über frühe Rechenmodelle wie das Perzeptron bis zur modernen KI.

Die Fragestellung des Buches trifft einen absolut wunden Punkt, der mich seit Jahrzehnten umtreibt: Weder Entwickelnde noch Nutzende verstehen heute bis ins letzte Detail, wie komplexe Systeme intern lernen und zu ihren Schlüssen gelangen – ganz im Gegensatz zu vielen Prozessen in biologischen Gehirnen.

Genau hier berührt das Buch existenzielle Fragen: Was macht Intelligenz eigentlich aus? Wo beginnt die menschliche Selbstüberschätzung? Und warum neigen Menschen so extrem dazu, Fähigkeiten vorschnell in Systeme hineinzuinterpretieren, obwohl im Hintergrund reine statistische Mechanismen werkeln? Der Kontrollverlust über Technologien, die unser Leben umkrempeln, wird hier spürbar greifbar.

Erzählerisch ist der Genremix aus Roman und Sachbuch durchaus lebendig. Die über 540 Quellenangaben und die historischen Abbildungen machen die Wissenschaftsgeschichte auch für Laien verständlich.

Aber für mich war es am Ende schlichtweg nicht das, was ich mir erhofft hatte. Der Text verliert sich immer wieder in ausschweifenden Nebenschauplätzen. Statt mich mit straffer Erzählweise und technischer Tiefe zu füttern, plätschert vieles in weitschweifigen Anekdoten dahin. Wer echte Substanz und tiefergehendes Fachwissen sucht, bleibt hungrig zurück.

Mein Fazit: Für wen lohnt sich das Buch?
„Das Pferd, das zu viel wusste“ ist eine nette, historische Brücke zwischen Tierpsychologie und frühen Rechenmodellen, die nachdenklich stimmt. Wenn du eine unterhaltsame Plauderei suchst, wirst du gut bedient. Wer jedoch wie ich fundiertes Wissen und technologische Tiefe erwartet, muss sich durch einiges an Geschwätz kämpfen.